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Laut einer aktuellen Studie des internationalen Beratungshauses Duff & Phelps erreichten die von deutschen börsennotierten Unternehmen verbuchten Abschreibungen beim Goodwill eine bislang nicht erreichte Größenordnung: So wurden 2015 insgesamt 11,7 Mrd. EUR Goodwill abgeschrieben – also achtmal so viel wie noch im Vorjahr (2014: 1,4 Mrd EUR). 

Insgesamt zeige sich anhand der Studienergebnisse, dass sich der Gesamtbetrag des ausgewiesenen Goodwills von den in Deutschland an der Börse notierten Unternehmen zwischen 2005 und 2015 von 151 Mrd. auf 314 Mrd. EUR mehr als verdoppelt habe.

„Auffällig ist „dass 85% des Gesamtbetrags auf die DAX30-Unternehmen entfallen, während sie nur 4% der deutschen börsennotierten Unternehmen ausmachen und zugleich auch nur 70% der gesamten Marktkapitalisierung repräsentieren“, erklärte Hartmut Paulus, Managing Director Valuation Advisory Services bei Duff & Phelps, am Dienstagmorgen während der Studienpräsentation in Frankfurt. Darüber hinaus gäbe es seit 2014 kein Unternehmen mehr im DAX, das keinen Goodwill ausweise.

Fotoquelle: Duff & Phelps
Fotoquelle: Duff & Phelps

Krise bei Einzelfällen
Die hohen Abschreibungen  2015 gegenüber dem Vorjahr seien auf beträchtliche Abschreibungen bei der Deutschen Bank  (4,9 Mrd. EUR) und E.ON (4,8 Mrd. EUR) zurückzuführen – die eigentliche Anzahl der abzuschreibenden Unternehmen sei hingegen minimal rückläufig (von 49 auf 48).

Die Erhöhung des Gesamtabschreibungsbetrags begründe sich also nicht durch eine Ausweitung der von Abschreibungen betroffenen Unternehmen, sondern durch krisenhafte Umstände bei einzelnen Unternehmen, heißt es in der Analyse.

Oftmals habe sich bei einigen Unternehmen die Erwartung nicht erfüllt – hinzu kämen unvorhergesehene Zwischenfälle, wie z.B. Naturkatstrophen oder die Griechenlandkrise und ähnliches, betont Paulus. Der sprunghafte Goodwill-Anstieg sei also definitiv nicht als allgemeines Krisensignal für die Gesamtheit der Unternehmen zu interpretieren. Von einer „Goodwill-Blase“ könne man trotz des enormen Anstiegs ebenfalls nicht sprechen

USA weit vor Deutschland
Auch international betrachtet sei über die letzten 10 Jahre ein deutlicher Anstieg des Goodwill zu beobachten. Die deutliche Zunahme in den USA –  gemessen an den S&P 500-Unternehmen –  liegt mit einer Verzweieinhalbfachung nochmals deutlich über dem Zuwachs im Deutschland.

Steigender Goodwill in IT- und Gesundheitsbranche
Mit Blickpunkt auf die einzelnen Sektoren wird deutlich, dass vor allem in der IT- und der Gesundheitsbranche ein erheblicher Anstieg des Goodwill zu verzeichnen sei: So hat sich in besagten Branchen der Anteil des Goodwill am bilanziellen Gesamtvermögen der Unternehmen auf 38  bzw. 34% 2015 erhöht. Dies bedeutet, dass mehr als ein Drittel des bilanzierten Unternehmensvermögens durch Goodwill repräsentiert wird.

In der Telekommunikationsindustrie und bei den Versorgungsunternehmen ist der Anteil des Goodwill am Gesamtvermögen in den vergangen Jahren hingegen rückläufig und liegt nunmehr bei nur noch 11 bzw. 8% – primär ein Ausdruck missglückter Unternehmenskäufe und der Branchenkrise in der Energiewirtschaft.

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