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Bildnachweis: ©VADIM KUSHNEROV – stock.adobe.com., DLA Piper.

DLA Piper hat die, von ihr weltweit betreuten, Deals zum siebten Mal in Folge in ihrem Global M&A Intelligence Report ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen Trends, zeigen aber auch Neuerungen.

Der vorhergesagte Anstieg von Distressed Deals 2020 ist weitestgehend ausgeblieben, sodass der Share Deal, sprich Anteilskauf, die weitüberwiegende Deal-Struktur gegenüber Asset Deals bleibt. Dagegen sind Auktionen etwas zurückgegangen, wenngleich sie weiterhin für sehr attraktive Assets interessant bleiben. Dies zeigt sich auch in den Deal-Volumina: In kleineren Deals mit einem Kaufpreis unter 50 Mio. EUR gingen sie deutlich zurück, während sie in Deals mit einem größeren Volumen stark zunahmen.

Weltweit bilden Completion Accounts mit Kaufpreisanpassung den Marktstandard. Allerdings hat die Bedeutung von Locked Box Deals mit einem festen Kaufpreis in Europa im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Dies überrascht etwas in Anbetracht der Volatilität der Märkte und war so nicht zu erwarten. Für die Berechnung des Locked Box Kaufpreises wurde in der Pandemie nicht mehr auf die letzten geprüften Zahlen abgestellt, sondern häufig (Zwischen)-Abschlüsse verwendet, die in der Regel nicht älter als zwei bis vier Monate waren. Zudem wurden die Garantien für nicht geprüfte Abschlüsse regelmäßig verschärft, was für die Verkäufer auch durch eine W&I-Versicherung nicht gemildert werden konnte.

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Zudem kamen mehr Earn-out-Regelungen in verschiedenen Sektoren zur Anwendung. Gerade in kleineren Deals mit einem Volumen von weniger als25 Mio. EUR wurden sie hineinverhandelt, um so die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit von Finanzzahlen zu überwinden. Interessanterweise kamen jetzt mehr Earn-out Klauseln mit Bezug auf Umsatz ins Spiel und die Earn-out Periode hat sich in vielen Deals von zwei auf drei Jahre im ersten Halbjahr verlängert. Nachhaltig durchsetzen konnte sich dieser Trend jedoch nicht. Dagegen hat sich COVID-19 in den Earn-out Protection Klauseln niedergeschlagen. Hier haben die Erwerber mehr Freiheiten durchgesetzt, das Geschäft in der Earn-out Periode ohne Abstimmung mit dem Veräußerer führen zu können.

Wie aus dem Global M&A Intelligence Report hervorgeht, waren die Parteien im vergangenen Jahr außerdem stärker bemüht, den Deal zeitgleich zu signen und zu closen. Insofern sind die Closing Bedingungen stark zurückgegangen, soweit dies rechtlich zu lässig war. Insbesondere die außenwirtschaftsrechtlichen Vorschriften haben aber bei den Bedingungen stärker zugenommen. Der Trend eines restriktiveren Foreign Direct Investment Rechts setzt sich global leider unvermindert fort. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass Material Adverse Change Klauseln, die dazu berechtigen, sich vom Deal vor Closing zu lösen, entgegen vielen Annahmen zu Beginn des letzten Jahres nicht zugenommen haben.

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Im Bereich der Garantien zeigte sich in den USA ein leichter Anstieg hin zu 18 bis 24 Monaten, wohingegen es in Europa keine Änderungen bei den Laufzeiten gab. Bei Haftungshöchstgrenzen bleibt der US-Markt mit 10 bis 20% Cap gegenüber dem europäischen Markt von 20 bis 40% weiter aggressiv. Diese Gegensätzlichkeit zeigt sich auch im Hinblick auf den Ausschluss von kleineren Haftungsansprüchen. Während in den USA weniger als ein Viertel der Deals solche de minimis Klauseln kennen, gehören sie in Europa unverändert bei zwei Drittel der Deals zum Standard. Basket-Klauseln, die Ansprüche erst bei Überschreiten eines höheren Schwellenwertes zulassen, sind dagegen im letzten Jahr Käufer-freundlicher geworden. Hier ist der maßgebliche Schwellenwert in der Mehrheit der Deals auf unter 1% des Kaufpreises gefallen.

Über den Autor
Dr. Nils Krause leitet die deutsche Praxisgruppe Corporate/M&A von DLA Piper und berät inländische und ausländische Unternehmen bei nationalen und grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen, einschließlich öffentlicher Übernahmen, Private Equity/Venture Capital-Transaktionen sowie in Fragen des deutschen Kapitalgesellschafts- und Konzernrechts. Seine Expertise umfasst gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen und die Gründung von Joint Ventures.