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Kriterien von Short Sellern

Short Seller kennen die Sorgen und Ängste der Anleger. Für ihre Attacken suchen sie sich deshalb Unternehmen aus, bei denen sie eine heftige Verkaufsreaktion der Anleger erwarten. Ihre Ziele ermitteln sie anhand umfangreicher Listen von Kriterien. Diese sind vielfältig, aber bestimmbar. Interessant sind beispielsweise Unternehmen, die ein komplexes und für Außenstehende nur schwer nachvollziehbares Geschäftsmodell betreiben. Diesbezügliche Vorwürfe können von den meisten Anlegern nicht in der gebotenen Zeit bewertet werden. Bevor sie erhebliche Kursverluste erleiden, stoßen Anleger ihre Anteile lieber vorsorglich ab. Dies gilt umso mehr, wenn sich ein Geschäftsmodell in rechtlichen oder regulatorischen Graubereichen bewegt oder leicht in Zusammenhang mit Geldwäsche, Korruption, Betrug, Steuerhinterziehung oder ähnlichen Delikten gebracht werden kann.

Ein typischer Angriffspunkt von Short Sellern sind die Rechnungslegung und Finanzkennzahlen eines Unternehmens als wichtigste kursbildende Faktoren. Kritisch ist es etwa, wenn wichtige Kennzahlen bei vergleichbarer Wettbewerbssituation stark von denen der Konkurrenten abweichen. Weitere Kriterien ergeben sich etwa aus den Bereichen Corporate Governance und Compliance, Gesellschafts- beziehungsweise Aktionärsstruktur, Aktienkursentwicklung oder Wettbewerbs- und gesamtwirtschaftliches Umfeld.

Wirecard, Chart 1 Jahr

Prävention und Abwehr

Die erfolgreiche Verteidigung gegen Short Attacks beruht auf zwei Säulen: Prävention und Abwehr einer erfolgten Attacke. Zu Beginn steht eine eingehende Risikoanalyse anhand der bereits beschriebenen Kriterien. Zudem sollten börsennotierte Gesellschaften Kursentwicklungen und den Aufbau von Leerverkaufspositionen beobachten. Die Mitarbeiter des Unternehmens sollten geschult werden. Besonders wichtig ist eine transparente und intensive Investor Relations- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört auch, Investoren und Analysten eine verständliche und verlässliche Guidance zur Finanzberichterstattung zu bieten.

Kommt es zu einer Short Attack, ist eine möglichst schnelle und effektive Reaktion auf den Angriff wichtig. Wichtigstes Ziel ist es, die Aktionäre vom Verkauf ihrer Anteile abzuhalten. Dazu müssen die Vorwürfe möglichst schnell und fundiert zurückgewiesen werden können. Knappen Mitteilungen unmittelbar nach Veröffentlichung der Vorwürfe sollten ausführliche Stellungnahmen folgen, sobald die Behauptungen der Angreifer hinreichend analysiert werden konnten. Als kursstabilisierende Maßnahmen bietet sich der Rückkauf eigener Aktien durch das Unternehmen an. Auch ein Aktienkauf durch das Management oder Großaktionäre hat positive Signalwirkung, da diese als besonders gut über die Situation des Unternehmens informiert gelten. In Einzelfällen ist es möglich, positive Unternehmensnachrichten wie eine Dividendenerhöhung vorzuziehen.

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