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Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) breitet sich weiter aus als je zuvor und hat das Potenzial, viele Aspekte des täglichen Lebens zu beeinflussen. Krisenzeiten, wie wir sie mit der Covid-19-Pandemie erleben, sind oftmals Katalysatoren für die schnellere Einführung von Innovationen und Technologien.

Die Bedeutung der künstlichen Intelligenz dient auch dazu, die Covid-19-Pandemie in den Griff zu bekommen – sei es zum besseren Überblick, zur Rückverfolgung oder schnellen Identifizierung von Infektionen. KI wird im Allgemeinen mit „Zukunft“ und Projekten wie der Entwicklung fahrerloser Automobile in Verbindung gebracht. Dennoch könnte es zu ihrem Vermächtnis gehören, was sie schon jetzt während der Krise bewirkt. Die Einsatzmöglichkeiten scheinen endlos. So ist es wahrscheinlich, dass KI bereits in der frühen Phase der Impfstoffentwicklung eine wichtige Rolle spielt.

KI verzeichnete bereits ein schnelles Wachstum und wurde in immer mehr Bereichen unserer datengesteuerten Welt eingesetzt. Covid-19 hat einige dieser Einsatzmöglichkeiten beschleunigt und der Technologie zu mehr Nutzerfreundlichkeit und Vertrautheit verholfen. Um genau zu verstehen, welchen Unterschied die künstliche Intelligenz ausmacht, lohnt es sich, anhand einiger Beispiele die Bandbreite der Aktivitäten zu veranschaulichen, die während der Pandemie mithilfe künstlicher Intelligenz durchgeführt werden.

Brust-Röntgen-Diagnose

Rizwan Malik, leitender Radiologe am Royal Bolton Hospital, das vom National Health Service (NHS) in Großbritannien betrieben wird, konzipierte eine klinische Studie [1], die dazu beitragen soll, dass Patienten schneller erste Ergebnisse von Röntgenaufnahmen erhalten. Das Warten auf Spezialisten konnte manchmal bis zu sechs Stunden dauern. Er identifizierte ein vielversprechendes KI-basiertes Brust-Röntgensystem und richtete einen Test ein, der über sechs Monate durchgeführt werden sollte. Für alle Brust-Röntgenaufnahmen, die von seinen Auszubildenden bearbeitet wurden, sollte das System eine zweite Meinung liefern. Malik überprüfte dann, ob die Schlussfolgerung des Systems mit seiner eigenen übereinstimmte und wenn dies der Fall war, führte er es als ständige Kontrolle für seine Auszubildenden ein. Als Covid-19 zuschlug, wurde das KI basierte System zu einer wichtigen Methode, um bestimmte Merkmale des Virus zu identifizieren, die auf Röntgenbildern der Brust sichtbar waren. Obwohl das System nicht perfekt war, stellte es dennoch eine interessante Fallstudie für den Einsatz von Computersystemen in der medizinischen Bildgebung dar.

Wissenschaftliche Datensammlung 

Ein ausgezeichnetes Beispiel für eine während der Krise bedeutsame Kooperation ist zudem das von drei Organisationen veröffentlichte „Covid-19 Open Research Dataset“ [2]. Der Datensatz umfasst mehr als 24.000 Forschungsarbeiten aus begutachteten Zeitschriften und anderen Quellen. Die Nationalbibliothek der Medizin der National Institutes of Health ermöglichte den Zugang zu bestehenden wissenschaftlichen Publikationen. Microsoft nutzte seine Algorithmen für die Recherche relevanter Artikel. Das gemeinnützige Allen Institute for Artificial Intelligence wandelte diese Artikel dann von Webseiten und PDFs in ein strukturiertes Format um, welches wiederrum von anderen Algorithmen verarbeitet werden kann.

Online-Screening

Viele von Covid-19 betroffene Großstädte sahen sich mit demselben Problem konfrontiert – der richtigen Versorgung der Personen, die diese brauchten, ohne die Krankenhäuser zu überlasten. Es war zudem äußerst wichtig, den Menschen zu helfen, sich selbst zu „diagnostizieren“ und damit dem Krankenhaus fernzubleiben, wenn es nicht absolut notwendig war. Das Providence St. Joseph Health System in Seattle[3] lieferte dafür eine passende Lösung. Es baute gemeinsam mit Microsoft ein Online-Screening und Diagnose-Tool auf. Damit konnte schnell zwischen Covid-19 Infizierten und Personen ohne lebensbedrohliche Erkrankung unterschieden werden. Alleine in der ersten Betriebswoche wurden damit 40.000 Patienten behandelt.

Chatbots zur Bewältigung der Anträge auf Arbeitslosengeld

Infolge der Covid-19-Pandemie stieg die Arbeitslosenquote in den USA auf 14,7% [4] an. Das hat zu einer noch nie da gewesenen Zahl von Menschen geführt, die Anträge auf Arbeitslosengeld einreichen und Fragen an verschiedene Behörden stellen. Seit Anfang März wurden beispielsweise in Texas Millionen Anträge gestellt. Zur Bewältigung der aufkommenden Fragen setzt der Bundestaat dabei auf Chatbots [5]. Diese beantworten mithilfe künstlicher Intelligenz Anfragen von arbeitslosen Einwohnern. Andere Bundesstaaten, wie Georgia und South Carolina, berichteten über ähnliche Aktivitäten. Um einen Eindruck von der Größenordnung zu vermitteln: Das in Texas eingesetzte System kann 20.000 Benutzer gleichzeitig verwalten. Stellen Sie sich vor, wie viel Personal erforderlich wäre, um dieselbe Anzahl an Anfragen zur selben Zeit zu bearbeiten.

Dies sind nur vier von unzähligen Möglichkeiten, wie künstliche Intelligenz eingesetzt wurde, um in der Zeit der Covid-19-Pandemie zu helfen. Wir hoffen weiterhin auf Heilungen und Impfungen, bei deren Entwicklung KI gute Dienste leisten wird. Daneben erwarten wir weitere innovative KI-Anwendungen, die der Gesellschaft langfristig zugute kommen werden.

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Über den Autor

Chris Gannatti
Chris Gannatti

Chris Gannatti ist Head of Research, Europe, bei WisdomTree