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In Unternehmen spielen Sanktions- und Informationsmacht als betriebswirtschaftliche Steuerungsmechanismen eine entscheidende Rolle. Doch Sanktionsmacht ist vermehrt nur noch dann glaubwürdig, wenn sie durch ein entsprechendes Quantum an Informationsmacht unterfüttert und abgesichert wird. Von Wolfgang Thost

Dr. Wolfgang Thost, Gründungspartner des Interim-Management-Anbieters Atreus.
Der Gastautor Dr. Wolfgang Thost, Gründungspartner des Interim-Management-Anbieters Atreus.

An dieser Entwicklung wird die Digitalisierung einen großen Anteil haben. Das Internet sorgt für Transparenz in allen Bereichen. Herrschaftswissen wird zunehmend allen zugänglich und damit obsolet. Mitarbeiter fordern Information und Beteiligung, Vertrauen und Handlungsspielräume.

Doch in vielen Unternehmen wird Macht nach wie vor ignoriert oder tot geschwiegen, vor allem wenn es um Sanktionsmacht geht. Das führt dazu, dass die zunehmende Bedeutung der Informationsmacht nicht erkannt wird.

Machtspiele

Hierarchie ist der Ausdruck von Sanktionsmacht schlechthin, soweit so klar. Naturgemäß verfügen Vorstand, Geschäftsführung und oberes Management, die strategische Aufgaben behandeln und entscheiden, über mehr Einfluss als mittleres und unteres Management, die sich mit taktischen und operativen Aufgaben befassen. Gleiches gilt für die Machtstärke: An der Hierarchiespitze sollten sich Sanktions- und Informationsmacht paaren. So war das einmal gedacht, als die Hierarchie, zum Beispiel zu Max Webers Zeiten, als wirksames und effizientes Steuerungsinstrument galt. Ebenso ist die Machtausdehnung groß, denn alle Mitglieder einer Unternehmung sind von Entscheidungen an der Spitze der Hierarchie betroffen. Sanktionsmacht eines Einflussnehmenden nimmt mit der Ranghöhe zu.

Doch selbst ein wohl etablierter Sanktionsmachthaber kann sich nur ganz vereinzelt und im Ausnahmefall zurücklehnen und auf diese Machtbasis verlassen. Sanktionsmacht muss durch Informationsmacht gestützt und rechtfertigt werden, um von dauerhafter Natur zu sein. So lässt sich übrigens auch die Neigung mancher Führungskräfte erklären, trotz raschen und weitreichenden Aufstiegs nicht loslassen zu können und weiter in das operative Tagesgeschäft hineinzuregieren, obwohl das längst nicht mehr ihre Aufgabe ist.

Ein Verhalten, das man auch bei Unternehmern beobachten kann. Und noch ein weiterer Aspekt ist interessant: Informationsmacht ist an Kommunikation gebunden. Nur wer präsent ist, kann sie ausüben, sei es durch die physische Anwesenheit im Büro, in Besprechungen und auf Konferenzen oder durch die virtuelle Ubiquität, die Mobiltelefone und oft vorzugsweise auch nächtliche E-Mails verleihen. Vermutlich ist das der Grund, weshalb Manager, die sich ihrer Sanktionsmacht nicht sicher sind und der dazugehörigen Informationsmacht auch nicht, überlange Arbeitszeiten lieben.

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