Ein Börsengang kann nicht nur für Wachstum innerhalb des Unternehmens sorgen, sondern auch den wirtschaftlichen Aufschwung der umliegenden Regionen befördern.

Eine Studie der US-amerikanischen Rice University (Rice) zeigt, dass ein IPO zu einem wirtschaftlichen Boost für die Gemeinden im nahen Umfeld des Unternehmenssitzes führen kann. Dank der neuen Liquidität steigen die Konsumentenausgaben, zudem entstehen vor allem neue Jobs. Auch manche Immobilien steigen im Wert – was allerdings auch Nachteile für die Bevölkerung mit sich bringen kann.

Frisches Geld im Umlauf

„Ein Börsengang schafft kein neues Unternehmen. Er generiert aber viel Liquidität für die Firma, die Mitarbeiter und andere Anteilseigner, die in den Gemeinden ihr neues Geld ausgeben“, betont Studienleiter Alexander Butler, Professor für Finanzwesen der Rice

Studienleiter Alexander W. Butler, Rice University. Foto: https://business.rice.edu/
Studienleiter Alexander W. Butler, Rice University. Foto: https://business.rice.edu/

im texanischen Houston. Wie genau sich das auswirkt, hat er mit seinem Team in der aktuellen Studie untersucht. Dabei haben sie insgesamt 1.365 amerikanische Postleitzahlen (ZIP codes) erfasst, in denen zumindest ein Unternehmen ansässig ist, das von 1998 bis 2015 den Sprung aufs Börsenparkett gewagt hat. Zudem hat das Team weitere Postleitzahlen im engsten Nahbereich (bis 3,6 Kilometer), bis acht sowie bis 16 Kilometer Entfernung erfasst.

Für im gleichen Verwaltungsbezirk liegende Postleitzahlen hat das Team dann Daten wie Veränderungen der Immobilienpreise, Kreditkartenausgaben oder Einkommen in den beiden Jahren nach einem Börsengang analysiert. Folgende Erkenntnisse kamen hier zutage: Pro 10 Mio. USD, die an der Börse emittiert wurden, sind im näheren Umfeld 0,7 neue Unternehmen und 41 lokale Jobs entstanden. Besonders in mittlerer Entfernung zum Firmenstandort (3,6 bis acht Kilometer) stiegen die Preise eher hochpreisiger Eigenheime. Die Immobilienpreise stiegen insbesondere dann, nachdem die Haltefristen für die Aktien endeten  – und interessanterweise auch dann, wenn der Kurs nach dem IPO in die Höhe ging. Dies untermauert die Hypothese, dass Veränderungen der Liquidität der Anleger zu diesem Spillover-Effekt führen.

Wohnen wird teurer

Die gestiegenen Immobilienpreise nach einem Börsengang zeigen aber auch, dass der Gang an die Börse letztlich auch  Nachteile für einzelne Bevölkerungsschichten bedeuten kann. Insbesondere führt der Studie zufolge  eine höhere Börsenaktivität in einer der untersuchten Kommunen eher dazu, dass Einwohner mittleren oder geringen Einkommens sich das Wohnen vor Ort nicht mehr leisten können. Nach dem Börsengang von Facebook beispielsweise mussten in der San Francisco Bay Area unter anderem Polizisten, Lehrer und Feuerwehrleute in günstigere Gegenden ausweichen und daher lange Pendlerwege in Kauf nehmen.

Mehr über die Studie erfahren Sie hier.

Titelfoto: metamorworks – stock.adobe.com

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de