Ralf Meinerzag, Fixed Income, Steubing AG

Zuspruch und Vertrauen sind wichtige Währungen am Markt für Unternehmensfinanzierungen. Nur wenn beide Hand in Hand gehen, verspricht eine Finanzierungsform langfristigen Erfolg am Kapitalmarkt. Beim aktuellen Boom der Mittelstandsanleihen zeichnet sich eine gefährliche Kombination ab: viel Aufmerksamkeit, jedoch wenig Maßnahmen zur langfristigen Vertrauens­bildung! Schauen wir uns diese beiden Währungen im Hinblick auf das Thema Mittelstandsanleihen an.

An Zuspruch für Anleihen mittelständischer Unternehmen herrschte in den vergangenen Monaten kein Mangel. Zahlreiche Mittelständler, die bislang selten oder sogar noch nie am Anleihemarkt aktiv waren, konnten erfolgreich Bonds platzieren, teils sogar unter Verzicht auf kostspielige (wie auch umstrittene) Ratings. Diese Entwicklung ist grundsätzlich zu begrüßen. Mittelstandsanleihen stellen insbesondere aufgrund des in Deutschland nach wie vor schwierigen Umfelds für IPOs und der zunehmend restriktiveren Kreditvergabe durch Banken in Folge der verschärften Basel-Regularien eine attraktive Alternative zur Unternehmensfinanzierung dar. In Folge der großen Aufmerksamkeit haben auch die Börsenplätze reagiert und spezielle Segmente eingerichtet.

Doch wie ist es um das Vertrauen in Mittelstandsanleihen bestellt? Während Augenmerk schnell hervorgerufen wird, ist Vertrauen eine Währung, die langfristig aufgebaut und gepflegt sein möchte. Bei Anleihen hängt dies insbesondere davon ab, ob die Kupons bedient werden und die Anleihe bei Fälligkeit zurückgezahlt wird. Dies beruht letztlich auf dem Geschäftsmodell des Unternehmens. Doch die Betrachtung dieser Wirkungskette, eine Analyse der Anleihefähigkeit eines Unternehmens wie auch ein kritischer Blick auf das Geschäftsmodell in Form eines Stresstests bleiben oft außen vor. Stattdessen sind bei den neuen Börsensegmenten die Regularien für die Einbeziehung wie auch anschließende Transparenzanforderungen leider oft recht überschaubar.

Für den Aufbau von Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit ist diese Situation gefährlich und könnte den ein oder anderen in abgeschwächter Form an die Euphorie des Neuen Marktes erinnern. Der Wettbewerb der Börsenplätze könnte dazu führen, dass kritische, prüfende Blicke ausbleiben, um den neuen Marktplatz zügig mit möglichst vielen (Anleihe-)Ausstellern zu bestücken. In Anbetracht der aktuellen Euphorie mag dieser Standpunkt womöglich als Schwarzmalerei erscheinen. Doch spätestens wenn die ersten Kupons nicht bedient werden und Anleihen ausfallen, wird sich zeigen, dass Qualitätskriterien bei Bondemissionen eine unabdingbare Voraussetzung sind. Fragen, die standardmäßig gestellt und zum Beispiel im Rahmen des Prospekts beantwortet werden müssen, lauten: Wie reagiert das Geschäftsmodell bei Eintrübungen des konjunkturellen Umfelds und sinkenden Umsätzen? Oder: Können für den Fall rückläufiger Gewinne dennoch stabile Cashflows zur Bedienung der Fälligkeiten gewährleistet werden?

Werden diese Kriterien implementiert, so wird sich die Mittelstandsanleihe als alternative Form der Unternehmensfinanzierung erfolgreich am Markt etablieren. Ohne solche geeigneten Stresstests kann trotz des momentan hohen Zuspruchs, das Vertrauen der Investoren schnell dahin sein. Und der Wiederaufbau kann dauern – oder gelingt womöglich nie.

 

Dieser Artikel ist erschienen im GoingPublic Magazin Special Anleihen 2011.