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Alexander Muires, Director, Network Corporate Finance

Trotz einer insgesamt stabilen Kursentwicklung am deutschen Aktienmarkt und geringer Volatilitäten bleibt das Umfeld für Börsengänge und Kapitalmaßnahmen in Deutschland schwierig. So wurde beim etwas holprigen Start von Talanx im zweiten Anlauf die Bookbuildingspanne geringer angesetzt als ursprünglich geplant. Auch beim Börsengang von Hess hakte es: Mit dem IPO klappte es erst nach Verlängerung der Zeichnungsfrist und einer gleichzeitigen Reduzierung der Preisspanne.

Alternative zu klassischen IPOs Eine Alternative zu klassischen Kapitalmarkttransaktionen für Small- und Mid Caps sind sogenannte Privatplatzierungen bzw. Private Placements. Neben der Neuemission von Aktien über öffentliche Handelsplätze haben Unternehmen die Möglichkeit, ihre Aktien auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu platzieren. Dieser Weg entbindet teilweise von Publizitätspflichten und der Erstellung von Wertpapierprospekten und bietet weitere Vorteile. Daher richten sich diese Privatplatzierungen ausschließlich an einen begrenzten und qualifizierten Anlegerkreis und die Aktien werden nicht öffentlich über die Börse angeboten. Die Platzierung kann entweder durch das Unternehmen selbst (Selbst- oder Eigenemission) oder über eine Emissionsbank (Fremdemission) erfolgen. Die angebotenen Aktien können dabei aus dem Besitz der Altaktionäre oder aus einer Kapitalerhöhung stammen. Letztere darf dabei 10% des Grundkapitals nicht überschreiten und muss in der Satzung der AG vorgesehen sein. Eine weitere Besonderheit ist der mögliche Bezugsrechtsausschluss.

Grundsätzlich darf ein Anbieter Wertpapiere im Inland erst dann öffentlich anbieten, wenn er zuvor einen Prospekt für diese Wertpapiere veröffentlicht hat. Gemäß des aufgrund der aktuellen EU-Verordnung ab dem 1. Juli 2012 angepassten § 3 II Nr. 1 WpPG (Wertpapierprospektgesetz) gilt die Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Prospekts jedoch u.a. nicht für ein Angebot von Wertpapieren, das sich ausschließlich an qualifizierte Anleger richtet.

Laut aktueller EU-Verordnung besteht keine Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Prospekt, wenn sich das Angebot von Wertpapieren ausschließlich an qualifizierte Anleger richtet.

Meist ohne Prospekt Daher erfolgen Private Placements meist ohne Prospekt und richten sich im Regelfall vor allem an qualifizierte institutionelle Investoren. Immer bedeutsamer werden neben institutionellen Investoren aber auch Family Offices und vermögende Privatpersonen („High Net Worth Individuals“, HNWIs).

Wesentliche Vorteile einer Privatplatzierung sind die schnelle Umsetzbarkeit, ein schnellerer und gesicherter Emissionserlös, niedrigere Transaktionskosten, die hohe Flexibilität, die Entkopplung von Marktvolatilitäten und die mögliche Gewinnung von „handverlesenen“ neuen Aktionären. Nachteilig können sich die Begrenzung des Volumens und die geringere Flexibilität bei der Gestaltung des Ausgabepreises auswirken.

Ein aktuelles Beispiel für ein erfolgreiches Private Placement ist die Kapitalerhöhung der Weng Fine Art AG aus Krefeld im August 2012: Im Rahmen einer Privatplatzierung haben nach Angaben des Unternehmens 14 langfristig orientierte kunstaffine Investoren insgesamt 50.000 neue Aktien des Familienunternehmens übernommen. Diese Investoren zählten zuvor noch nicht zum Aktionärskreis der Weng Fine Art AG. Die platzierten Aktien stammten aus dem Genehmigten Kapital und wurden zum Preis von 62,00 EUR je Aktie zugeteilt. Es lagen insgesamt Zeichnungsaufträge über 78.000 Aktien vor. Den Emissionserlös in Höhe von 3,1 Mio. EUR will das börsennotierte Kunsthandelsunternehmen vorwiegend als Eigenkapitalbasis für externes Wachstum entlang der Wertschöpfungskette verwenden. Im nächsten Jahr sollen mehrere Beteiligungen und Akquisitionen im Auktions- und Editionsgeschäft getätigt werden. Im Vorfeld hatten verschiedene überwiegend private Investoren Interesse an einem größeren Engagement bekundet, das sie über die Börse jedoch nicht realisieren konnten.

Dynamische Kursentwicklung
Die Aktien der Weng Fine Art AG sind seit dem 2. Januar 2012 im Entry Standard der Frankfurter Börse notiert, zu diesem Zeitpunkt erfolgte zunächst ein reines Listing ohne Kapitalerhöhung bzw. Umplatzierung. Ausgehend vom ersten Kurs von 15 EUR entwickelte sich der Aktienkurs seither sehr dynamisch: Bei sehr hohen Handelsvolumina hat sich das Niveau bis heute auf einen Kurs von 86 EUR mehr als verfünffacht. Das bisherige Kurshoch lag Ende September 2012 bei 92 EUR. Heute ist die Weng Fine Art AG eines der wertvollsten und kapitalkräftigsten Kunsthandelsunternehmen in Kontinentaleuropa.