Der Frühling hat endlich Einzug gehalten. Am hiesigen IPO-Markt ist davon bislang jedoch wenig zu spüren. Hier herrscht nach wie vor Eiszeit. Einzig der Wohnimmobilienkonzern LEG brachte Anfang Februar die Steine ins Rollen und wagte den bisweilen beschwerlichen Sprung auf das Börsenparkett. Zwar waren die IPO-Aktivitäten im ersten Quartal weltweit nicht besonders berauschend. Dennoch wird es langsam Zeit, dass sich das IPO-Fenster öffnet.

Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young sank die Zahl der Börsengänge im ersten Quartal weltweit um rund ein Viertel. Das Emissionsvolumen konnte dank einiger Groß-IPOs trotzdem um ein Drittel zulegen. Der schwache Saisonauftakt sei dabei einmal mehr Ausdruck der anhaltenden Unsicherheiten im Zuge der europäischen Schuldenkrise gewesen. Dass die Schuldenkrise eine rege Emissionstätigkeit keineswegs fördert, ist unbestritten. Als Dauerargument für ein trübes IPO-Umfeld in einem ansonsten haussierenden Aktienmarkt ist sie aber mittlerweile ebenso wenig befriedigend. Deutschland vermag sich hier dem allgemeinen Trend zu entziehen, denn die Rahmendaten scheinen trotz Dauerschuldenkrise und zuletzt gesehener Korrektur am Aktienmarkt weiterhin günstig. Befeuert wird diese Annahme zudem durch die jeweiligen IPO-Ankündigungen zahlreicher Börsenanwärter. Da drängt sich allmählich der Eindruck auf, dass die IPO-Pipeline angesichts des bis dato aufgebauten Rückstaus demnächst aus allen Nähten platzt.

Für „Entlastung“ könnte zunächst der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann sorgen, der mit dem Verkauf eines RTL-Aktienpakets über die Börse kurzfristig bis zu 1,6 Mrd. EUR einsammeln will. Ab dem 30. April soll die RTL-Aktie dann zusätzlich zu ihrem Listing in Brüssel und Luxemburg auch im Frankfurter Prime Standard gehandelt werden. Auch Evonik scheint endgültig „börsenfertig“: Nach zwei erfolgreich durchgeführten Privatplatzierungsrunden stehe in Kürze das Börsenlisting an, bei dem Institutionellen einschließlich Mehrzuteilung weitere Aktien im Umfang von voraussichtlich 2 bis 5% des Grundkapitals offeriert werden sollen. Unterdessen laufen sich mit Kion, Deutsche Annington und US-Investor Cerberus Capital, der dem Vernehmen nach den Börsengang seiner deutschen Immobilienbeteiligungen plant, weitere aussichtsreiche IPO-Kandidaten warm.

Chinesen laufen unterirdisch
Um die Performance chinesischer Emittenten war es zuletzt gar nicht gut bestellt. Auffällig: Insbesondere die der Bekleidungsbranche zuzurechnenden Unternehmen Kinghero, Powerland und FAST Casualwear gerieten unter Kursdruck. Allein Kinghero stürzte auf Monatsbasis um knapp 50% ab, nachdem am Markt Gerüchte aufkamen, die Veröffentlichung der 2012er Jahreszahlen würde bis auf weiteres verschoben. Zu allem Überfluss stellten nun noch BankM, die vor gut drei Jahren neben der Silvia Quandt Bank als Joint Lead Manager beim IPO fungierten, und GBC Research ihr jeweiliges Kinghero-Coverage ein.

Überirdische Performance
In einer höheren Liga spielen die Schwergewichte Telefónica Deutschland, Kabel Deutschland und Brenntag, die nach wie vor die wichtigsten der aufgeführten Erhebungen dominieren. Dank solidem Bilanzwerk und einer jüngst bekannt gegebenen Kooperationsvereinbarung gelang Brenntag mit einem monatlichen Zugewinn von knapp 5% oder 295 Mio. EUR der Quereinstieg auf Rang fünf im entsprechenden Ranking. Insgesamt beläuft sich das Kursplus des Chemiedistributeurs seit Emission im Frühjahr 2010 auf stolze 148% bzw. 3,8 Mrd. EUR an neu geschaffener Börsenkapitalisierung.

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