Die beiden Groß-IPOs von Talanx und zuletzt von Telefónica Deutschland haben bewiesen, dass Börsengänge hierzulande nach wie vor möglich sind. Die Rahmenbedingungen für Neuemissionen sind weiterhin günstig und signalisieren eine grundsätzliche Aufnahmebereitschaft. Was dennoch zu fehlen scheint, ist ein attraktiver Börsenkandidat mit solider Equity Story.

Die positive Entwicklung der Aktienmärkte, die gesunkene Volatilität sowie die aktuell leicht entspannte Situation an der Eurokrisen-Front führten im vierten Quartal zu einer deutlichen Verbesserung des IPO-Klimas. Der IPO-Sentiment-Indikator, der die Stimmung der Marktteilnehmer zu Börsengängen widerspiegelt und vom Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) der TU München gemeinsam mit der Deutschen Börse ermittelt wird, kletterte im Vergleich zum Vorquartal um rund 3 Punkte auf knapp 33%. Die Vorzeichen für kommende IPOs stehen insofern nicht schlecht.

Von „IPO-Euphorie“ ist vier Wochen vor Jahresultimo dennoch kaum etwas zu spüren. Ganz im Gegenteil: Erst kürzlich cancelte das Immobilienunternehmen Peach Property Group Deutschland sein für Mitte November angekündigtes Börsendebüt. Das IPO wurde daraufhin ohne konkrete Begründung der Gesellschaft bis auf weiteres verschoben. Auch das jüngste Aktienmarktdebüt des chinesischen Textilherstellers Firstextile verlief glanzlos. Die angebotenen Anteilsscheine wurden mit 10 EUR lediglich am unteren Ende der Preisspanne von 10 bis 14 EUR zugeteilt, von den ursprünglich angepeilten 4 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung wurden angesichts der geringen Nachfrage tatsächlich nur 1,8 Mio. Stücke ausgegeben.

O2 goes public

Trotz einer eher faden IPO-Story legte Telefónica Deutschland, besser bekannt unter der Hauptmarke O2, am 30. Oktober einen gelungenen Börsenstart hin. Der Emissionspreis wurde nach zweimaliger Anpassung der Angebotsspanne auf 5,60 EUR festgelegt, die Erstnotiz erfolgte zu 5,70 EUR. Insgesamt spülte der Börsengang gut 1,45 Mrd. EUR in die Kasse des hochverschuldeten spanischen Telekommunikationskonzerns – O2 ging dagegen leer aus. Damit ist Telefónica Deutschland hierzulande das größte IPO seit dem Going Public von Tognum im Juli 2007 – Rang eins in der Erhebung der größten Neuemissionen vor Talanx (0,82 Mrd. EUR), Kabel Deutschland (0,76 Mrd. EUR), Brenntag (0,75 Mrd. EUR) und GSW Immobilien (0,47 Mrd. EUR). Mit einer aktuellen Börsenkapitalisierung von gut 6,3 Mrd. EUR eroberte der Mobilfunkriese zudem auf Anhieb Platz eins in der gleichnamigen Rangliste. Auf den Folgerängen tummeln sich die Schwergewichte Brenntag (5 Mrd. EUR), Talanx (4,9 Mrd. EUR), Kabel Deutschland (4,8 Mrd. EUR) und GSW Immobilien (1,6 Mrd. EUR). Infolge der jüngsten Neuzugänge steigt die Gesamtanzahl der diesjährigen Börsenneulinge auf zehn, das Platzierungsvolumen erreicht vor allem dank der Groß-IPOs von Talanx und Telefónica Deutschland den respektablen Wert von 2,37 Mrd. EUR – das höchste Volumen seit dem Jahr 2010.

Fazit

Der hiesige Primärmarkt befindet sich gut einen Monat vor Jahresende in Lauerstellung. Die Rahmenbedingungen für Börsengänge sind günstig und auch die Aufgeschlossenheit potenzieller Investoren scheint vorhanden. Dennoch dürfte das IPO-Jahr 2012 mit Ausnahme eventueller Kleinemissionen so gut wie gelaufen sein. Bleibt zu hoffen, dass Telefónica Deutschland und Co. trotz ihrer jeweils dünnen Stories bislang zögerlichen Kandidaten das nötige Quäntchen Vertrauen liefern, den deutschen IPO-Markt im kommenden Jahr erfolgreich anzuzapfen.

Dieser Artikel ist erschienen im GoingPublic Magazin 12/2012.