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LEG Immobilien sorgte für den bislang einzigen Börsengang dieses Jahres, welches nun auch schon zu einem Viertel vorbei ist. Das Emissionsvolumen immerhin hatte es in sich und knackte die Milliardengrenze. Auch einige der nächsten Kandidaten bringen das Potenzial dafür mit: Evonik allerdings, eigentlich ebenfalls ein Schwergewicht, hat sich bei seinem x-ten IPO-Anlauf für eine sicherheitsorientierte Sparvariante entschieden.

Talanx, Telefónica Deutschland („o2“) und zuletzt LEG haben es vorgemacht, dass große Börsengänge hierzulande durchaus funktionieren. Offensichtlich hatte auch Evonik kein Problem, interessierte Investoren zu finden, hat diese aber bereits vor der Erstnotiz an der Börse mit Aktien versorgt. So wird das Emissionsvolumen beim eigentlichen IPO vergleichsweise bescheiden ausfallen, ein „Börsengang light“ eben (mehr zum Evonik-IPO auf Seite XX), bei dem nur 3 bis 5% des Grundkapitals platziert werden sollen.

Im Falle von Osram, einem weiteren großen Börsenkandidaten, war bereits vor geraumer die Entscheidung gefallen, auf die Suche nach Investoren zu verzichten und einfach die Aktionäre des Mutterkonzerns Siemens zusätzlich mit Osram-Papieren auszuleuchten. Auf der Siemens-Hauptversammlung wurde dieses Vorhaben mit sozialistischer Mehrheit durchgewunken, jedoch wollen einige wenige Aktionäre die Ausführungen des Vorstands dazu nicht verstanden haben und beklagen dies derzeit juristisch – die Erstnotiz verschiebt sich einmal mehr.

Groß läuft gut Mit der Immobiliengesellschaft Deutsche Annington und dem Gabelstapler-Hersteller Kion laufen sich derzeit weitere Kandidaten für große Börsengänge warm – in diesen Fällen voraussichtlich mit „richtigen“ öffentlichen Angeboten. Dass das für Investoren der ersten Stunde durchaus lohnenswert sein kann, zeigt ein Blick auf die erfolgreichsten Emissionen seit 2010: Unter den Top 5 finden sich fast ausschließlich Großunternehmen – gerne auch mit Private-Equity-Vorgeschichte. Lediglich das Modeunternehmen Tom Tailor umweht der Hauch des Mittelstands.

Kurssprünge durch Übernahmegelüste Ansonsten ist es um die Performance kleinerer Emittenten eher traurig bestellt. In der jüngsten Entwicklung ragt immerhin Adler Modemärkte positiv heraus – beflügelt durch das Übernahmeangebot von Steilmann-Boecker. Nach Derby Cycle, durch die Übernahme durch Pon inzwischen vom Kurszettel verschwunden, könnte Adler somit das nächste Unternehmen mit einer recht kurzen Börsengeschichte werden.

Neben dem Modehändler profitierte mit Kabel Deutschland auch ein großer Emittent von Übernahmegerüchten. Dank Vodafone konnte der MDAX-Konzern seine Spitzenpositionen in einigen unserer Ranglisten noch mehr ausbauen. Dem Vernehmen nach könnte der erneute Kurssprung allerdings zur Folge haben, dass der Kabelkonzern dem britischen Mobilfunkriesen nun womöglich doch zu teuer geworden ist.

Hess, die Rote Laterne Beleuchtungsspezialist Hess, einer der wenigen deutschen mittelständischen Börsenneulinge der letzten Jahre, findet sich am Ende aller Ranglisten wieder. Schneller von der Erstnotiz in die Insolvenz hat es nicht mal zu Zeiten des Neuen Marktes ein Unternehmen geschafft – ein trauriger Rekord. Der einzige Trost für potenzielle mittelständische Börsenkandidaten, die zurzeit allerdings nicht gerade Schlange stehen, besteht darin, dass der Niedergang von Hess umfänglich selbstverschuldet war.

Ausblick Da Börsengänge chinesischer Unternehmen in Frankfurt – eigentlich ein stabiler Trend der letzten Jahre – derzeit auf unbestimmte Zeit eine Pause einlegen, werden wohl großvolumige IPOs bis in den Milliardenbereich weiter den Primärmarkt prägen. Für diese immerhin stehen die Chancen gut.