So langsam kommt Leben in das IPO-Geschäft. Unterstützt von haussierenden Börsen steigt sowohl die Zahl der Anträge auf eine Börsennotiz als auch die der letztlich erfolgreichen Transaktionen.

Bislang können sich Emittenten wie Anleger über den Verlauf der IPO-Geschäfte wahrlich nicht beschweren. Während die Vielzahl der Neulinge mit Kursgewinnen in den Handel startet, nimmt auch die Breite der Börsengänge deutlich zu. Auch branchenseitig lässt sich eine gesunde Mischung feststellen. So kamen die April-Börsengänge aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Wohnungsbau, Finanzdienstleistungen, Biotech, Einzelhandel, Software, Chemie – die Liste der am Ende erfolgreichen IPOs ist lang. Trotz der Rekordstände von Dow Jones und S&P bleibt die Preisgestaltung dabei moderat, was (noch) für eine gewisse Zurückhaltung auf Seiten der Banken spricht. Von einem Lerneffekt möchte man nicht sprechen. Im Mai scheint sich diese positive Entwicklung bislang nahtlos fortzusetzen. Hier kann mit dem 8. Mai sogar ein besonderes Ereignis gefeiert werden (siehe unten). Klammert man den milliardenschweren Facebook-Börsengang einmal aus, so liegen die ersten Monate klar über jenen des Vorjahres.

ING-Tochter mit durchwachsenem Start
Es ist der zweitgrößte Börsengang des Jahres. Knapp 1,3 Mrd. USD nahm der niederländische Finanzkonzern ING beim IPO seiner US-Tochter ein. Die Papiere der ING U.S., die sich schon bald in Voya Financial umbenennen wird, waren bei ihrem Handelsstart an der NYSE allerdings weniger gefragt. So fand die Platzierung letztlich unterhalb der geplanten Preisspanne von 21 bis 24 USD statt. Immerhin gelang es den Papieren, sich an den darauf folgenden Tagen sukzessive zu erholen. Rund 600 Mio. USD fließen zurück in das US-Geschäft, den Rest muss Voya an die Mutter in die Niederlande weiterleiten. Bis zum Jahr 2016 muss sich diese gemäß den Auflagen des niederländischen Staates aus den USA zurückziehen. Das sehen die Bedingungen der staatlichen Rettung nach der letzten Finanzkrise vor. Auf Basis der aktuellen Notierungen erreicht der US-Arm eine Börsenbewertung von knapp 5,7 Mrd. USD. Damit bewegt man sich im Korridor der zuvor kommunizierten Erwartungen. Um in den kommenden Monaten und Jahren weitere Pakete abgeben zu können, dürfte ING an einer nachhaltig positiven Kursentwicklung interessiert sein. Vielleicht überzeugte nicht zuletzt dieser Gedanke manche Investoren, auf dem ermäßigten Niveau schließlich doch einige Anteile zu zeichnen.

Sieben auf einen Streich
Der 8. Mai markiert im diesjährigen IPO-Geschäft einen durchaus besonderen Tag. Nicht nur weil an diesem Datum mit dem Pharma-Dienstleister Quintiles Transnational ein Beinahe-Milliarden-Börsengang gelang, am 8. Mai wagten gleich sieben Neulinge ihr Börsendebüt. Neben Quintiles stachen hiervon vor allem der REIT American Residential (Volumen: 288 Mio. USD) und der Hypotheken-Anbieter PennyMac Financial (200 Mio. USD) heraus. Top-Performer war hingegen das Schwergewicht Quintiles, dessen Papier mit einem Aufschlag von knapp 10% in den Handel startete und diesen Vorsprung seitdem weiter ausbaute. Die Gesellschaft führt im Auftrag der großen Pharmakonzerne Auftragsstudien – sogenannte „clinical trials“ – durch und übernimmt darüber hinaus weitere Outsourcing-Dienste. Mit diesem Geschäftsmodell brachte es der Konzern, der als Profiteur wachsender Forschungsausgaben gilt, im Jahr 2012 auf Erlöse von 4,9 Mrd. USD. Derzeit billigt die Börse Quintiles eine Bewertung von rund 5,8 Mrd. USD zu.

Börsengang eines Wahrzeichens?
Das Empire State Building gehört zu New York wie die Freiheitsstatue, der Times Square und die Brooklyn Bridge. Es ist eines der Erkennungszeichen der Metropole und damit der gesamten USA. Nun soll das wieder dritthöchste Gebäude des Landes zusammen mit 18 anderen Objekten zu einem Trust zusammengefasst und an die Börse gebracht werden. Davon würde vor allem die Hauptanteilseigner, die einflussreiche New Yorker Malkin-Familie, profitieren, die das Empire State Building auch betreiben. Lange Monate stritt diese sich mit den Gegnern eines IPOs. Nun scheint es, als sei die notwendige Quote für einen solchen Schritt erreicht. Ziel ist es, beim Gang an die Wall Street 1 Mrd. USD zu erlösen. Es wäre sogleich das größte Immobilien-IPO in der US-Geschichte. Auch wenn noch kleinere Hürden zu überwinden sind, so stehen alle Zeichen auf ein baldiges Going Public. Dann kann jeder, der möchte, ein Stück New York erwerben.

Fazit
Der Höhenflug der US-Börsen treibt auch den Primärmarkt immer stärker an. Die Zahl der Emittenten nahm zuletzt spürbar zu, gleichzeitig stieg das Interesse an den Neulingen. Allerdings bleibt das Pricing moderat und Kursexzesse zum Börsenstart die absolute Ausnahme. Letzteres ist ein durchaus gesundes Zeichen, welches für die Reife des Marktes spricht. Ob die Akteure tatsächlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, darf jedoch bezweifelt werden. Zumindest steht der Beweis hierfür noch aus. Bevor in den Sommermonaten eine Beruhigung des Geschäfts zu erwarten ist, dürften die kommenden Wochen noch sehr lebhaft verlaufen.

Dieser Artikel ist erschienen im GoingPublic Magazin 6/2013.