Laut aktueller Analyse von EY haben im Jahr 2018 weltweit deutlich weniger Unternehmen den Schritt aufs Parkett gewagt als im Vorjahr: Die Zahl der Börsengänge sank um 21% auf 1359. Deutschland dagegen hebt sich im internationalen Vergleich stark ab – hierzulande verzeichnete man das beste IPO-Jahr seit der Jahrtausendwende.

Während der chinesische IPO-Markt (einschließlich Hongkong) sogar einen Rückgang um fast die Hälfte auf 307 Transaktionen verzeichnete und die IPO-Aktivitäten in Europa um 16% auf 228 zurückgingen, legte der US-amerikanische Markt gegen den weltweiten Trend zu – um 14%  auf 205 Emissionen. Der deutsche IPO Markt konnte sich 2018 trotz einiger abgesagter oder verschobener Börsengänge dem europäischen Negativtrend entziehen und erreichte beim Emissionsvolumen sogar den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. An deutschen Börsen wurden laut EY im Jahr 2018 insgesamt 18 Börsengänge verzeichnet, nach 14 im Vorjahr. Zusätzlich zog es 2018 mit dem Kochboxen-Startup Marley Spoon ein deutsches Unternehmen an die australische Börse. Das Emissionsvolumen hat sich im Vergleich zu 2017 von 3,1 auf 13,5 Mrd. USD mehr als verdreifacht.

Fast überall steigendes Volumen – Rekordzahl bei Unicorns

Obwohl die Zahl der globalen Transaktionen zurückging, stieg das Gesamtvolumen aller weltweiten Börsengänge  hingegen um 6% auf knapp 205 Mrd. USD – vor allem dank Megatransaktionen wie dem 21-Milliarden-Dollar-IPO der Softbank-Mobilfunktochter. Hinzu kam die Rekordanzahl von 40 Börsengängen sogenannter Unicorns – also stark wachsender Technologieunternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar.

Globale Marktübersicht 2018. Quelle: EY.
Globale Marktübersicht 2018. Quelle: EY.

In China und Hongkong wurde, trotz der stark zurückgegangenen Zahl von Börsengängen, ein Wachstum des Emissionsvolumens von 13% auf insgesamt 57 Mrd. USD verzeichnet. In den USA stiegen die Emissionserlöse sogar um 31% auf 53 Mrd. USD. Auf dem europäischen Markt hingegen nahmen Börsenneulinge nur noch 39 Mrd. USD ein – 17% weniger als im Vorjahr.

In den übrigen europäischen Ländern entwickelte sich der IPO-Markt im Jahr 2018 deutlich weniger positiv als in Deutschland. Besonders Großbritannien verzeichnete starke Rückgänge: Die Zahl der Börsengänge brach von 78 auf 51 ein, das Emissionsvolumen schrumpfte von 14,8 auf 8,5 Mrd. USD. „Die schwierigen Brexit-Verhandlungen und die unklare politische Situation in Großbritannien führten 2018 zu Zurückhaltung an der Londoner, aber auch an anderen europäischen Börsen“, beobachtet Dr. Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

Anders als viele andere wichtige IPO-Märkte erwies sich der US-amerikanische IPO-Markt als sehr robust: Die gute Konjunkturentwicklung in den USA, steigende Konzerngewinne und vielversprechende IPO-Kandidaten gerade aus dem Gesundheits- und dem Technologiesektor führten zu sehr regen Aktivitäten.

Zwei deutsche IPOs unter den Top 5 weltweit

Der weltweit größte Börsengang des Jahres 2018 ist die Erstnotiz der Mobilfunktochter des japanischen Technologiekonzerns Softbank, die für den 19. Dezember angesetzt ist und voraussichtlich insgesamt rund 21 Mrd. USD erlösen wird. Die zweit- und drittgrößten Börsengänge fanden in China bzw. Hongkong statt: Der Sendemastbetreiber China Tower sammelte 7,5 Mrd.USD ein, der chinesische Smartphone-Produzent Xiaomi erlöste bei seinem Börsendebüt 5,4 Mrd. USD. Mit einem Volumen von mehr als 5 Mrd. USD war die Erstnotiz von Siemens Healthineers der viertgrößte Börsengang im laufenden Jahr, gefolgt von Knorr-Bremse, der 4,4 Mrd. USD einbrachte.

Blick auf 2019

Dr. Martin Steinbach, EY.
Dr. Martin Steinbach, EY.

In der ersten Jahreshälfte werden die Faktoren, die schon im vierten Quartal den IPO Markt gebremst haben, voraussichtlich weiter den Markt belasten, erwartet Steinbach: „Investoren werden angesichts der andauernden politischen Risiken und stark schwankender Aktienmärkte weiterhin selektiv sein und in erster Linie auf gut vorbereitete Unternehmen mit überzeugenden Geschäftsmodellen setzen.“ Gerade China und Europa dürften zumindest in der ersten Jahreshälfte gebremste IPO Aktivitäten verzeichnen.

Insgesamt werden nach Steinbachs Einschätzung im Jahr 2019 weltweit weniger IPOs stattfinden als 2018 – voraussichtlich zwischen 1.150 und 1.300. Das Emissionsvolumen dürfte hingegen mindestens auf dem Vorjahresniveau liegen – vor allem dank des anhaltend starken US-Markts. “Der US-Markt boomt weiter, und zunehmend drängen Unicorns an die US-Börsen. Sie sorgen für eine steigende Zahl von Megadeals, und dieser Trend wird sich 2019 voraussichtlich fortsetzen”, erwartet Steinbach.

In Deutschland seien 2019 insgesamt etwa 15 bis 18 Börsengänge realistisch, prognostiziert Steinbach: „Trotz konjunkturellen Gegenwinds hat 2019 durchaus das Potenzial, ähnlich stark zu werden wie 2018. Die Pipeline aus verschiedenen Bereichen ist zumindest gut gefüllt.“ Wieder stehe ein attraktiver Mix von Börsenkandidaten aus verschiedenen Sektoren in den Startlöchern für das kommende Jahr, darunter Wachstumsunternehmen und Abspaltungen von Großunternehmen. Zudem werden Unternehmen, die ihre Börsenpläne aufgrund der starken Volatilität im letzten Quartal 2018 vorläufig verschoben hatten, wahrscheinlich erneut den Schritt aufs Parket wagen. Auf der anderen Seite könnte allerdings eine erneute Zuspitzung der internationalen Handelskonflikte jederzeit wieder für Unruhe an den Märkten sorgen. Daher dürften nach Steinbachs Einschätzung einige IPO-Kandidaten zunächst abwarten, wie sich der Brexit entwickelt und ob es zu einer Beruhigung der Handelskonflikte zwischen den USA und Europa und zwischen den USA und China kommt.

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