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Jetzt steht der Termin für das größte deutsche Internet-IPO seit der New Economy: Zalando will ab 1. Oktober im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notieren. Der Online-Modehändler hat die Preisspanne für seine Aktien auf 18 bis 22,50 EUR festgesetzt. Das würde insgesamt weniger Geld in die Kasse bringen als bisher geplant war.

Alt-Aktionäre bleiben am Ball

Noch bis zum 29. September werden die neuen Aktien privaten Investoren in Deutschland und Luxemburg öffentlich angeboten. In den Vereinigten Staaten werden die Aktien ausschließlich institutionellen Anlegern offeriert. Die bisherigen Zalando-Aktionäre wollen sich bei dem Börsengang nicht von Anteilen trennen. Es werden daher 24.476.223 neue Aktien ausgegeben plus 3.671.433 Anteilsscheine für eine mögliche Mehrzuteilung. Der Börsengang soll damit dem Online-Modehändler bis zu 634 Mio. EUR in die Kasse spülen. Ohne die Mehrzuteilung würde er 441 Mio. EUR bis 551 Mio. EUR einnehmen. Ursprünglich hatte Zalando allerdings IPO-Erlöse von bis zu 750 Mio. EUR ins Visier genommen.

 

Zalando präsentiert sich auf der Pressekonferenz im Rahmen des IPO am 1.Oktober.
Zalando präsentiert sich auf der Pressekonferenz im Rahmen des IPO am 1.Oktober.

Beim Börsengang sollen lediglich 11,3% des Anbieters von Mode und Schuhe an der Börse platziert werden. Hochgerechnet ergibt das einen Unternehmenswert von bis zu 5,6 Mrd. EUR – fast so viel wie bei der Lufthansa, deren Marktkapitalisierung etwa 6 Mrd. EUR beträgt. Haupteigentümer der Zalando SE sind die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik mit 36,5% der Aktien und die deutschen Internet-Entrepreneure Oliver, Marc und Alexander Samwer mit 17%. Deren Beteiligungsfirma Rocket Internet will bis Jahresende ebenfalls an die Börse gehen. Der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen hält 10% und die Tengelmann-Gruppe 5%. Weitere Aktionäre sind unter anderem Holtzbrinck Ventures und der Pensionsfonds OTPP aus Kanada.

Management und Vertreter der betreuenden Banken werben derzeit auf einer Roadshow bei Investoren in Deutschland für ihre Aktien. Danach geht es nach Großbritannien und in die USA. Laut Zalando liegen bereits Zusagen von Ankerinvestoren für knapp 127 Mio. EUR vor. Dazu zählen ein schottischer Investmentfonds sowie Investoren von der Karibikinsel Bermuda und aus dem arabischen Raum. Daneben sollen auch die rund 7.000 Mitarbeiter des Versandhändlers zu Aktionären werden – vom Vorstand bis zum Verpacker. Sie bekommen Aktien für je 180 EUR geschenkt, bei Papieren für weitere 720 EUR erhalten sie einen Rabatt von 25% auf den Ausgabepreis.

Rasanter Aufstieg in sechs Jahren

Mit mehr als 150.000 Artikeln von etwa 1.500 Modemarken hat sich der Online-Versandhändler auf Schuhe, Kleidung und Accessoires spezialisiert. Seit der Gründung im Jahr 2008 hat das Unternehmen mit kostenlosen Retouren und auffälliger Werbung („Schrei vor Glück!“) eine imposante Wachstumsstory hingelegt. Der Umsatz schnellte von 154 Mio. EUR im Jahr 2010 auf knapp 1,8 Mrd. im Jahr 2013 hoch. In Deutschland profitierte das Unternehmen dabei auch von der Insolvenz des Versenders Neckermann. Die Hälfte der Erlöse kommt inzwischen nicht mehr vom Schuhverkauf. Zalando ist zwar in vielen europäischen Ländern präsent, in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird aber mit 57% der Großteil des Geschäfts gemacht. In der deutschsprachigen Region ist der Modeversender zudem viel profitabler: So lag im ersten Halbjahr 2014 die operative Marge in diesem Markt bei 3,8% gegenüber 0,3% im gesamten Geschäft. Momentan hat das Unternehmen insgesamt knapp 14 Mio. Kunden.

 

Bei Zalando dreht sich alles um Mode.
Bei Zalando dreht sich alles um Mode.

Dennoch erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2013 noch einen Verlust von 116 Mio. EUR. Enorme Ausgaben für Werbung und die hohe Retourenquote belasten die Gewinne. Das Management will sich deshalb nicht festlegen, wann erstmals ein positives Jahresergebnis eingefahren wird. Der Onlinehändler sei auf Wachstum ausgerichtet, man nehme es aber hin, wenn Investitionen Marge kosteten, sagt Vorstand Rubin Ritter. Allerdings schließt er nicht aus, dass Zalando schon im Jahr 2014 positiv abschließen könnte. Nach Anlaufverlusten schaffte die Gesellschaft zuletzt den Sprung in die schwarzen Zahlen: Im zweiten Quartal 2014 wurden Erträge von 35 Mio. EUR vor Zinsen, Steuern und Ausgaben für Mitarbeiteraktien erzielt. Unterm Strich kam ein Gewinn von 29 Mio. EUR heraus. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte Zalando noch 33,5 Mio. EUR Verlust verbucht. Das erste Halbjahr sei traditionell schwächer als das zweite, weiß Ritter. Deshalb könnte am Jahresende tatsächlich der erste Nettogewinn herausspringen.

Wie schwer vorhersehbar die Geschäftsentwicklung im Online-Handel ist, zeigt der jüngste Kurseinbruch von 15% beim britischen Konkurrenten Asos. Der Versender hatte gewarnt, dass die anstehenden Investitionen den Gewinn des Geschäftsjahres 2014/15 schmälern würden. Bisher wurde ein Vorsteuer-Ergebnis von 45 Mio. Pfund erwartet. Im abgelaufenen Quartal ging das Wachstum der Asos-Erlöse auf 15 von 25% im Vorquartal. zurück. Da es weitere schlechte Nachrichten gab, ist die Aktie seit dem Allzeithoch von 7.195 Pence um 70% eingebrochen – nicht gerade die erhoffte Benchmark für den deutschen Börsenaspiranten.

Zalando SE        
 

2011

2012

2013

2014e

Umsatz*

510

1.159

1.762

2.115

Nettoergebnis*

-59,7

-85,6

-116,3

1,5

EpS

-0,24

-0,34

-0,47

0,01

KGV min.

n.ber.

KGV max.

n.ber.

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research  

Neue Märkte im Fokus

Seinen Börsengang begründet Zalando auch mit der harten Internet-Konkurrenz. Dadurch sichern wir uns langfristig den Zugang zu Kapital für künftiges Wachstum, sagt Ritter. Nach zwei Jahren Vorbereitung sei man bereit für ein öffentliches Angebot und wolle die gute Stimmung an den Kapitalmärkten nutzen. Die Erlöse aus dem Börsengang will das Management für das weitere Wachstums des Unternehmens verwenden. So plant Zalando, seine Kundenbasis zu erweitern, die Umsätze beim einzelnen Käufer zu steigern und in neue regionale Märkte vorzudringen. Zudem wollen die Berliner ihr Sortiment ausbauen. Der Fokus bleibt aber auf Mode und Lifestyle. Mikrowellen und Waschmaschinen werden wir nicht verkaufen, sagt Ritter. Potenzial sieht er bei Sportbekleidung für Frauen, Bademode und Unterwäsche sowie Mode für Schwangere und in Übergrößen. In diesen Bereichen könne man aus eigener Kraft wachsen, so Ritter. Daneben könnten sich bereits in näherer Zukunft gezielte Übernahmen ergeben. Dabei denkt Ritter weniger an Zukäufe von Modekonkurrenten, sondern an Technologie-Firmen mit Internet-Know-how für den Betrieb der Web-Seiten, um den Einkaufskomfort zu verbessern. Ein typisches Beispiel dafür sei eine Bilderkennungs-Software, mit der Kunden Kleidungsstücke fotografieren und ähnliche Artikel bei Zalando finden können.

Fazit

Der Börsengang von Zalando zählt sicherlich zu den interessantesten deutschen IPO-Storys von 2014. Auch in Zukunft wird der Online-Handel weiter wachsen, wenn auch nicht mehr so stark wie in den fetten Jahren. Die Alt-Aktionäre behalten ihre Anteile, das Angebot besteht ausschließlich aus Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Die Nachfrage der Investoren ist daher bereits jetzt sehr groß. Mit einem für 2015 erwarteten Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,4 bis 1,8 ist die Aktie günstiger als die vom britischen Konkurrenten Asos. Wegen der eigenen guten Marktstellung sieht das Management sogar einen Aufschlag für gerechtfertigt. Allerdings sollte der Ausgabekurs nicht über 20 EUR liegen – um einen Unternehmenswert von über 5 Mrd. EUR zu rechtfertigen, müsste nach Analystenmeinung Zalando 2014 nochmals ein Umsatzplus von 50% stemmen.

Der Börsengang dürfte deshalb ein Erfolg werden, mit Zeichnungsgewinnen ist zu rechnen. Dennoch ist die mittelfristige Entwicklung mit Risiken behaftet. Das momentane Wachstum wird stark durch Werbung gepusht. Die Gesellschaft muss noch beweisen, dass sie dauerhaft Gewinne erzielen kann trotz aller Investitionen in Marke und Marktstellung. Der längerfristige Erfolg hängt vor allem davon ab, ob es Zalando gelingen wird, seine Kunden dauerhaft an sich zu binden. Der Aktienkurs dürfte sich deshalb ähnlich wie bei Amazon mit vielen Hochs und Tiefs entwickeln.

Zalando SE – Emissionsparameter
WKN

ZAL 111

Zeichnungsfrist

18. bis 29. September (vorb. vorz. Schließung)

Erstnotiz

1. Oktober

Preisspanne

18 bis 22,50 EUR

MarketCap

4,5 bis 5,6 Mrd. EUR

Marktsegment

Frankfurt/Main (Prime Standard)

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

508 Mio. bis 634  Mio. EUR

Konsortium

Credit Suisse, Morgan Stanley, Goldman Sachs

Free Float

 max. 11,3%

 

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.