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Beispiel Hamburger Sportverein. Vorstandschef Bernd Hoffmann konnte zwar einen kleinen Gewinn vermelden, doch der Ausblick läßt schaudern: Man wolle unter die Top Ten in Europa, den Umsatz steigern, um sich dann eine Mannschaft mit Gesamtgehalt von 30 oder 40 Mio. Euro pro Jahr leisten zu können. Das hören Spieler und deren Berater gerne. So nett wird man selten eingeladen, Gehaltserhöhungen zu fordern.

Beispiel Hertha BSC Berlin. Dort hatte man vor Jahren eine Vereinbarung mit einer Agentur abgeschlossen, die dem Vermarkter satte 40 % Umsatzprovision an den Werbeeinnahmen einräumte. Als dies zu Protesten führte, senkte die Agentur die Provision auf noch immer stattliche 20 % – ließ sich für dieses Entgegenkommen aber einen Anteil an den Fernsehgeldern zusichern. Wenn die derzeit ausgeschriebenen Rechte vor allem für das Pay-TV deutlich höhere Einnahmen bringen sollten, wird die alte Tante Hertha davon weniger profitieren als andere Clubs. Einen Preis für cleveres Management gibt das eher nicht.

Beispiel Borussia Dortmund. Das Team beklagt derzeit gleich fünf Spieler mit Verletzungen des Kreuzbandes im Knie. Groß ist das Wehklagen, daß Leistungsträger mindestens sechs Monate ausfallen, vielleicht sogar länger. Dabei gibt es neue Operationstechniken wie zum Beispiel das fremdimplantatfreie „All Press Fit“, die zusammen mit neuartigen Reha-Methoden die Ausfallzeit in etwa halbieren. Doch der medizinische Fortschritt ist offenbar am einzigen börsennotierten Fußballverein der Republik zumindest teilweise vorbei gegangen. Jetzt erwägt der Club dem Vernehmen nach die Verpflichtung Ailtons. Abgesehen von den Ausgaben: Im Fußball soll der Ball rund sein, nicht der Spieler.

Alles in allem bleibt festzuhalten: Noch immer hat das Managementniveau vielerorts in der Szene ambitioniertes Regionalliga-Niveau nicht verlassen. Gut, daß außer dem BVB niemand den Sprung aufs Börsenparkett geschafft hat (Bayern mal wieder ausgenommen). So blieb der Anlegergemeinde das eine oder andere zusätzliche Fiasko erspart.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.