Das Vorgehen ist bekannt: Erst werden User auf Geschmack gebracht (die Einführungsphase), später, wenn sich eine Marktdurchdringung eingestellt hat, können entsprechende Gebühren durchgesetzt werden. Einen empörenden Aufschrei verursachte dieser Tage der deutsche Marktführer T-Mobile mit dem verwegenen Plan, die SMS-Preise der günstigsten Tarifstufe von 8 Cent auf 19 Cent zu erhöhen.

Konkurrenten der Deutschen Telekom, etwa Vodafone oder Viag Interkom, wollen sich nach eigenem Bekunden die Lage „erst einmal anschauen“. Deren Preise liegen bei durchschnittlich mindestens 12 Cent. Damit stehen sie auf der sicheren Seite, denn: Lassen sich die Gebührenerhöhungen durchboxen, so könnte man bei passender Gegebenheit nachziehen; falls sich jedoch hartnäckiger Widerstand regt, schlüpft man in die Rolle der Good Guys.

Wie sich gezeigt hat, ist das zweite Szenario eingetreten. Nicht nur Verbraucherschützer, sondern auch Politiker gingen auf die Barrikaden. Verbraucherschutzministerin Renate Künast warf der Deutschen Telekom Marktmißbrauch vor, was doch tatsächlich Wirkung zeigte. Die geplanten Gebührenerhöhungen wurden einstweilen zurückgenommen.

SMS gehörten, so der ministeriale Zwischenruf, inzwischen „zum Lebensstil von Jugendlichen“ – was im übrigen traurig genug ist. Vielleicht müssen Jugendliche erst durch höhere Gebühren daran erinnert werden, daß die Benutzung eines Handys nun mal nicht kostenlos ist. Im Gegenteil: Durch die Einführung multimedialer Datendienste werden notgedrungen nahezu sämtliche Leistungen im Preis anziehen. Wenn nicht jetzt, dann eben später und vielleicht etwas deutlicher. Nur so können die Netzbetreiber ihre horrenden Auslagen zum Aufbau eben jener Dienste refinanzieren.

Dies ist übrigens einer der Gründe, weshalb in den Vereinigten Staaten weder die Services der neuen Mobilfunkgeneration noch die einfachen SMS-Nachrichten eine Chance haben. Die USA sind uns in gewisser Hinsicht voraus, da dort das Prinzip „You pay what you get“ gilt. Kurznachrichten ohne Absprache werden gar nicht erst angenommen, denn der Empfänger muß bezahlen, nicht der Absender. Unangeforderter Werbe-Firlefanz hat überhaupt keine Chance, was es Betreibern und Services erschwert, sich zu finanzieren. Daher wird in den Staaten ein Handy hauptsächlich für seinen ureigenen Zweck mißbraucht: zum Telefonieren.

Ob die Preisschraube nun diese Woche oder erst in einem Quartal angezogen wird, letztlich spielt das keine Rolle – die Preise müssen steigen. Und die Betreiber können schließlich nur dasjenige halbwegs risikolos verteuern, was nachgefragt wird. Solange die Jugendlichen hierzulande die saftigen Handy-Rechnungen nicht aus eigener Tasche begleichen müssen (sondern offenbar ihre Eltern), werden sie wahrscheinlich nicht einmal merken, daß sie mehr und mehr geschröpft werden.

Die GoingPublic erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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