Was wäre das Millennium ohne die Angst vor dem Millennium Bug gewesen? Der Schuß Weltuntergangsstimmung verlieh dem Jahreswechsel etwas aufregend Dramatisches. Doch das viel befürchtete Computerchaos ist ausgeblieben. In der Regel funktionierten Geldautomaten, Wasser- und Stromversorgung einwandfrei. Auch die Telefonnetze blieben unberührt, die Deutsche Telekom und Mannesmann sind ohne Probleme ins neue Jahrtausend gestartet. Das Nachrichtenmagazin Focus berichtet dennoch von einigen Pannen beim Datumswechsel. Eine Atomwaffenanlage in Tennessee soll einige Fehlfunktionen aufgewiesen haben, die erst nach drei Stunden behoben waren und einem Kunden einer amerikanischen Videothek wurde etwa ein Film für 100 Jahre in Rechnung gestellt. Die Angst vor Computerproblemen war demnach nicht unberechtigt. Ohne die gewaltigen Bemühungen im Vorfeld wäre es wohl wesentlich schlimmer gekommen. Viele Mittelständler allerdings werden erst heute – am ersten Wochentag des Millenniums – auf die Probe gestellt, so dass es zu einer vollständigen Entwarnung noch zu früh ist. Heute aber feiert die Börse erst einmal.

Das erste Jahrtausendhoch im DAX war auch gleichzeitig ein Allzeithoch. Mit nahezu 7.160 Punkten drang der deutsche Aktienindex heute schon in Regionen vor, die er nie zuvor gesehen hat. Die DAX-Gewinnerliste, die immerhin 23 Titel umfasst, wird von SAP angeführt. Die Anteilscheine des Softwarehauses gewinnen fast 5 %, gefolgt von den ebenfalls sehr beliebten Telekom-Aktien. Die Verliererliste ist kurz und am schlechtesten startet BMW ins neue Jahrtausend. Ebenfalls in Rekordlaune ist derNemax-All-Share, der zur Zeit bei gut 4.750 Zählern steht. Tria Software heißt hier der bisherige Millenniums-Liebling der Anleger. Tria hat die Akquisition des Dokumenten-Management-Consultants eDoc aus Weilerswist bei Köln bekannt gegeben. Auch an den internationalen Börsen herrscht wieder einmal „Jubel, Trubel, Heiterkeit!“

Wie soll es weitergehen? Eines scheint offensichtlich. Die derzeitige euphorische Rallye schreit nach einer Korrektur – nur wann? (sh. auch Millennium Analyse). Kurzfristig dürften die Aktien erst einmal noch von dieser Euphorie profitieren. Zum Einsteigen können wir Anlegern auf diesem Niveau – insbesondere bei den Stars der letzten Wochen nicht raten. Letztere sind es schließlich, bei denen der Börsenjubel die größte Kluft zwischen Unternehmensbewertung und Unternehmenswert getrieben hat. In der ersten Hälfte dieses Jahres dürften wir in vielen Fällen wieder deutlich niedrigere Kurse sehen. Vielleicht bereits im Februar.

Was IPOs angeht, brauchen wir uns auch in diesem Jahr keine Sorgen zu machen. Deutsche Post, Fußballaktien, Spin-Offs und aufregende Biotechnologie-Werte dürften nur einige der Schlagwörter für das Neuemissionsjahr 2000 sein, das wieder einmal rekordverdächtig scheint. Die 1999er Marke von rund 180 Neuemissionen könnte in diesem Jahr durchaus geknackt werden.

Und wie sieht es jenseits vom Parkett aus? In seiner Neujahrsansprache hat Gerhard Schröder deutlich zu mehr Eigenverantwortung aufgerufen. Es wird Zeit, dass endlich ein „Ruck“ durch Deutschland geht. Es wird Zeit für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Vor uns liegt eine anstrengende, eine dynamische, eine aufregende Zeit – die Zukunft.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

 

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.