Der Gesetzentwurf von Bundesjustizministerien Brigitte Zypries sieht vor, daß börsennotierte Aktiengesellschaften in Zukunft die Gehälter ihrer Vorstände einzeln und inklusive leistungsabhängiger Beträge offen legen müssen. Während die Mehrzahl der Unternehmen im DAX dies schon so praktiziert, opponiert ein Häufchen Verweigerer gegen die Neuregelung.

Man muß die Vorstände nicht unter einen Generalverdacht à la „Verdienst wie in USA, aber Heimlichtuerei wie in Europa“ stellen, um aufzumerken. Jedes Politikers Salär ist offenkundig, und wenn einer die Heimlichtuerei übertreibt, muß er zumeist zurücktreten. Auch der Verdienst jedes Kämmerers, Bürgermeisters oder einfachen Verwaltungsangestellten ist in der Bundesrepublik bekannt. Es gibt eine öffentliche Haushaltssatzung, darin findet sich der Stellenplan, und aus dem sind die Bezüge mit Alimentation der Kinder und Ortszuschlag abzuleiten.

Und überhaupt: Auch wenn ein Aktionär nur ein einziges Stück eines Unternehmens hält, ist er Mitbesitzer. Wer, wenn nicht die Besitzer, sollten ein Anrecht haben zu erfahren, was ihre Angestellten verdienen? Der Vorstandschef der Münchener Rück ließ sich nun so ein, demzufolge die individuelle Ausweisung der Gehälter das Risiko von Entführungen steigen lasse. Der Respekt  vor den Opfern zurückliegender Verbrechen verbietet es, diesen Vorstoß in seiner ganzen Lächerlichkeit zu sezieren.

Was will jemand verbergen, der mit solchen Scheinargumenten hantiert? Nein, so unwichtig scheint das Gesetz doch nicht zu sein. In Zeiten, in denen Wirtschaftsführer Anderen Verzicht predigen, müssen sie sich verstärkt der Öffentlichkeit gegenüber rechtfertigen, wie sie es bei sich mit den eigenen Ansprüchen halten. Das Totschlagargument der Neiddebatte fällt auf die Heimlichtuer zurück. Vielmehr verspricht das Gesetzt ein Stück weit mehr Hygiene in der deutschen Wirtschaft.

Vorstände, die das Gesetz zurückweisen, halten Anleger gemäß des alten Bonmots offenbar für dumm und frech. Schön für die Anleger, daß sie auf dem Kurszettel eine reiche Auswahl solcher Unternehmen finden, deren Vorstände eine andere Meinung haben.

Stefan Preuß

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