Japan ist ein Trauerspiel. Nach dem wirtschaftlichen Höhenflug zum Ende der 80er Jahre ist das Land des ewigen Lächelns in eine tiefe Rezession gerutscht, die nun schon das elfte Jahr anhält. Schuld waren überhöhte Immobilienpreise, aber vor allem riskante Spekulationen und ein auf Vetternwirtschaft aufgebautes System, in dem Investitionen nicht nach Ertrag, sondern viel zu oft nach Sympathie getätigt wurden. Die Zeche dafür zahlt das Land schon lange. Nichts, aber auch gar nichts hat bisher geholfen, weit mehr als ein Dutzend Konjunkturpakete wurden geschnürt, der Leitzins wurde auf ein kaum mehr wahrnehmbares Niveau gesenkt, alles vergeblich.

Möglich, daß es an den bisher nur halbherzig durchgeführten Reformen liegt, die das marode Bankensystem mit seinen faulen Krediten und Überkreuzbeteiligungen keiner heilsamen Entflechtung unterziehen wollten. Möglich, daß dies auch gar nicht gewünscht wird, denn die alten Funktionäre haben immer noch das Sagen. Die Regierung Koizumi jedenfalls hat diesbezüglich bisher bei weitem nicht geleistet, was von ihr erwartete worden war. Aber das könnte sich jetzt ändern.

Die japanische Notenbank hat vor, den Banken in großem Umfang Aktien abzukaufen, um diese vor immensen Wertberichtigungen zu bewahren. Die Banken müssen zum Monatsende ihre Halbjahreszahlen vorlegen, die Aktien hätten dabei zum Marktpreis bilanziert werden müssen. Für die maroden Banken wäre das ein Desaster. Diese Last nimmt ihnen die Notenbank nun ab. In Frage kommen dabei Aktien im Wert von 142 Mrd. Euro.

Daß der Aktienkauf nicht unbedingt das ist, was eine Notenbank zu ihrer Hauptaufgabe zählt, scheint zumindest die Banken nicht zu stören. Auch das diesen Teufelsplan wohl eher die Regierung, als die Notenbank selbst ausgehegt hat, ist kaum zu verbergen.

Mit dem Kauf geht das Risiko der Aktien an die öffentliche Hand. Das allein ist schon fatal, noch schlimmer wiegt jedoch, daß es wohl kaum Siemens-Aktien sein dürften, die da in den Depots liegen, sondern vielmehr Aktien, die sonst keiner haben wollte, von maroden Unternehmen ohne Zukunftsperspektive. Der Bankensektor ist damit wieder einmal einer heilsamen Reinigung bzw. Konsolidierung entkommen. Schlecht für Japan, gut für die Regierung. Der kann jetzt keiner mehr vorwerfen, sie hätte sich nicht gekümmert.

So ähnlich sieht das auch mit MobilCom aus. Die ruhige Hand Schröders in Form des Wirtschaftsministers Müller griff ein und rettete das Büdelsdorfer Unternehmen vor der Insolvenz. Das gibt Punkte, denn anders als in Japan ist hier richtiger Wahlkampf. Kaum jemand beglückwünschte die Regierung zu ihrer Tat, außer natürlich Ex-Firmenboss Schmid, dessen Aktienpaket jetzt wieder ein bißchen an Wert gewonnen haben dürfte, und natürlich die verängstigte Belegschaft.

Aber auch dieser Schritt ist mehr als fragwürdig. Die Konsolidierung im Telekommunikations- wie auch im Mobilfunksektor ist in vollem Gange. Nicht jeder kann und nicht jeder darf überleben. Der Untergang der einen sichert das Überleben der anderen, pathetisch ausgedrückt. Quam hat das erkennen müssen und nun wäre MobilCom an der Reihe gewesen. Das ist offenbar sowieso nicht verhindert, sondern nur aufgeschoben. Wahlkampf eben.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie das askGoingPublic-Board: Stellen Sie GoingPublic Ihre Fragen oder diskutieren Sie die Fragen anderer User!

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.