Sind Kapitalerhöhungen schädlich für die Werthaltigkeit einer Aktie? Man sollte meinen, daß das Gegenteil der Fall ist. Durch die Zuführung neuer Mittel werden Eigenkapitalquote erhöht, die Kasse aufgefüllt, Schulden abgebaut, das Rating verbessert und damit die Finanzierungskosten gemindert, die Kapitalbasis verbreitert, die Aktienanzahl erhöht, der Aktienhandel belebt, das Interesse institutioneller Anleger und Analysten verstärkt und vieles mehr, was man als gemeiner Aktienkäufer von den Investor Relations-Abteilungen bei solchen Gelegenheiten zu lesen bekommt und womit sich Vorstände auf Hauptversammlungen genehmigte Kapitalien absegnen lassen.

Nun haben zwei der sieben Gläubigerbanken, allen voran die Bankgesellschaft Berlin, selbst mindestens so solide finanziert wie unser Staat, Angst um die Werthaltigkeit der WCM-Aktien, die Karl Ehlerding ihr als Kreditsicherheit überreicht hat, und drohen mit Kreditkündigung, falls WCM eine Kapitalerhöhung beschließe. Grund: Der Wert der Aktien könnte ja sinken! Juristen müssen klären, ob damit der Tatbestand der Nötigung erfüllt ist. Sind es nicht normalerweise Banken bzw. Kreditgeber, die von Schuldnern Kapitalerhöhungen verlangen?

Es kommt doch nebenbei bemerkt drauf an, wie der Ausgabekurs der jungen Aktien festgesetzt wird. Zwar liegt dieser üblicherweise 15-20 % unter dem Börsenkurs, um die volle Plazierung sicherzustellen. Der Börsenkurs sinkt dann theoretisch(!) um den Bezugsrechtsabschlag, doch die veränderte Einschätzung des Kapitalmarktes dürfte im Falle WCM eher das Gegenteil bewirken. So könnten die Gläubiger-Poolbanken die Kapitalerhöhung zu einem über oder am Börsenkurs liegenden Ausgabepreis garantieren, um den befürchteten „Kursrutsch“ zu vermeiden, wenn sie ihn als so große Gefahr wahrnehmen.

Nun kocht die Gerüchteküche Andeutungen, daß eben die zwei Gläubigerbanken nun als Interessenten für eine neue Kapitalerhöhung, größer als die zuletzt von WCM-Vorstand Roland Flach abgesagte, in Frage kämen. Wir werden sehen, ob die Drohung der Kreditkündigung vielleicht nur taktischen Charakter hatte. Welcher vernünftige Kreditgeber kündigt schon gerne indirekt an, demnächst die Börse mit seinen zu verwertenden Sicherheiten zu überfluten und dadurch den Kurs zu belasten?

Die GoingPublic Kolumne ist ein Service des GoingPublic Magazins und erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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