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Knapp zwei Wochen ist der Skandal nun öffentlich, und selten haben so viele Menschen in so kurzer Zeit die Gelegenheit verpasst, zu schweigen. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein zum Beispiel bezichtigte die Bundesregierung der Hehlerei in großem Stil. Wie der Name schon andeutet gelangt man an diesen Titel durch Geburt, was doch einiges erklärt. Immerhin ist der Erbprinz ja hilfsbereit: Das Problem liege im deutschen Steuerrecht, das er zu ändern rate. Diese Anteilnahme seiner Durchlaucht wärmt die Herzen: Schön, dass sich Menschen andernorts für die Probleme hierzulande interessieren, und sei es auf vorliegendem Niveau.

Der Vorsitzende der Schweizerischen Bankiervereinigung, Pierre Mirabaud, wähnte die Vorgehensweise deutscher Steuerfahnder als Gestapo-würdig. Mirabaud, Spross des Genfer Geldadels und im Urteil einer gewissen Oberflächlichkeit ganz offenbar nicht ledig, zählt auch ausweislich vorangegangener Reden offensichtlich zu den Leuten die meinen, dass man für Geld alles haben kann. Und die dafür den Verdacht in Kauf nehmen, für Geld alles zu tun. Manchmal ist es eben besser, durch Schweigen Zweifel an der sozialen Kompetenz zuzulassen, als durch Reden die letzen Zweifel an der einschlägigen Inkompetenz zu zerstören. Michel Derobert, Geschäftsführer der Vereinigung der Privatbankiers, vermutet in einem Zeitungsinterview, schweizer Banken würden es fortan wohl vermeiden, Deutsche einzustellen – aus Angst vor Spionage. Man stelle sich den Aufruhr vor, ein deutscher Funktionär würde mutmaßen, die Banken hierzulande würden wohl keine Schweizer mehr einstellen, weil die die Kundschaft eh nur zur Steuerhinterziehung im Gebirge ermuntern.

Da muss man Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt loben, der sofort, nachdem das immense Ausmaß der Affäre deutlich wurde, davor warnte, nun alle Leistungsträger in einen Topf zu werfen. Eine wichtige Feststellung, denn es wäre in der Tat sehr ungerecht, wenn jene, die nicht gierig sind und auf dem Boden eines festen ethischen Fundaments handeln, mit der Masse vermengt würden. In das Lob unbedingt und ganz ausdrücklich einzuschließen gilt es auch FDP-Chef Guido Westerwelle, den sofort die Angst umtrieb, dass nun härtere Strafen für Steuerhinterzieher angemahnt würden. Wer das fordere, wolle die Affäre für seine politischen Ziele instrumentalisieren, warnte Westerwelle. Aber wie muss man diesen Einsatz vor dem Hintergrund, dass sich Politiker stets zunächst um die eigene Wählerklientel sorgen, nun genau verstehen? Nur einer nutzte die Gelegenheiten zum Schweigen konsequent: Klaus Zumwinkel. Als alter Anlageprofi weiß er, dass Schweigen Gold ist. Dafür sprachen seine Anwälte: Die Daten der DVD seien vor Gericht gar nicht verwertbar, haha. Eine Einlassung, die Schuld nicht bestreitet, sondern deren Vorliegen impliziert und nur ihre Beweisbarkeit auf einer juristischen Ebene anzweifelt. Es gibt bessere Pressesprecher mit besseren Strategien. Vielleicht hat ja der Erbprinz Bedarf.

Nur einer meldete sich nicht zu Wort, der die ganze Diskussion mit einem wütenden „Was erlauben Liechtenstein?“ auf den Punkt hätte bringen können. Schade eigentlich, Giovanni.

Stefan Preuß

Die GoingPublic-Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.