Die Halbzeitbilanz bei den Neuemissionen sah alles andere als gut aus: War das weltweite IPO-Volumen im letzten Jahr schon dürftig, so ging es 2002 nochmals um ein Drittel zurück. In Europa fiel der Rückgang mit 50 % am heftigsten aus. Allein Großbritannien vermochte den Wert des Vorjahres deutlich zu übertreffen, allerdings wohl nur aufgrund der niedrigen Ausgangsbasis im letzten Jahr. Daß das Vereinte Königreich keine Insel der Seligen ist, zeigt der IPO-Rückzieher von Yell, dem britischen Pendant zu den Gelben Seiten.

Die Verstopfung macht vor kaum einer Branche halt, inzwischen selbst nicht mal mehr vor defensiven Sektoren. So mußte die Modekette Prada ihr Debüt zum wiederholten Male kurz vor Torschluß canceln. Ein Spurt von Ferrari auf den Börsen-Circuit blieb den Italienern bislang verwehrt, doch ein neuer Versuch soll noch in Kürze erfolgen. Geschickterweise hat man der italienischen Mediobanca, als sie das 34 %ige Paket an der Fiat-Tochter erwarb, die Verpflichtung auferlegt, die roten Flitzer binnen zwölf Monaten an die Börse zu fahren. Daher laufen derzeit, wie zu vernehmen ist, mal wieder Sondierungsgespräche.

Aber auch die US-IPO-Pipeline trocknet inzwischen aus. Erst in der letzten Septemberwoche geht es vermutlich weiter. Jenseits des Atlantiks sieht es daher ebenfalls nach dem dritten Jahr in Folge mit einer zurückgehenden Zahl an Börsengängen aus.

Hierzulande ging auch Rons Sommernachtstraum mit T-Mobile bis dato nicht in Erfüllung. Nicht einmal das Zweitlisting des Erotik-Spezialisten Private Media sorgte bei Marktteilnehmern für Regung. So ziemlich das einzige, was in diesem Jahr zulegen konnte, waren sogenannte Übernacht-Plazierungen oder Schnelltender, die auf eine Zeichnungsfrist versäumen und den institutionellen Großabnehmern entsprechende „Anreize“ für ihre Zusagen offerieren. Größere Zeichnungsanreize für die breite Masse der Anleger wäre vielleicht das Stichwort gewesen, um für das derzeit offensichtlich schwerer wiegende allgemeine Marktrisiko, das ein Aktienanleger übernimmt, einen adäquaten Ausgleich zu schaffen.

Dieser Beitrag ist auch im aktuellen GoingPublic Magazin 08/2002 erschienen.

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