Am 12. Juli kam für die Anleger der nächste Schock: Das Unternehmen revidierte die Umsatzerwartung für das 2. Quartal und stellte Umsätze auf Vorjahresniveau in Aussicht. Als Grund wurden u.a. „personelle Engpässe in Vertrieb und Marketing“ genannt. Der Aktienkurs brach daraufhin völlig zusammen, die Aktie eröffnete am nächsten Morgen bei 6,10 Euro – einem Verlust von fast 54 % gegenüber dem Schlußkurs des Vortages. Über Nacht wurde eine Marktkapitalisierung von 65 Mio. Euro vernichtet. Am 1. August wurde schließlich das Ergebnis für das 1. Halbjahr veröffentlicht… Am Tag darauf verlor die Aktie nochmals 7 %

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Am 22. März, also bereits vor dem Börsengang, wurde Frau Rittinghaus von GoingPublic-Redakteuren zu evtl. Schwierigkeiten bei der Personalsuche befragt. Sie verneinte damals ausdrücklich personelle Engpässe, obwohl diese damals schon offenkundig sein mußten. Denn der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Amann monierte bereits im letzten Jahr, als er sein Amt antrat, daß Update im Vertrieb unterpersonalisiert sei. Obwohl Frau Rittinghaus unbestätigten Gerüchten zufolge aggressiv versuchte, Vertriebsmitarbeiter ihres ehemaligen Arbeitgebers Computer Associates abzuwerben, wurden im 1. Halbjahr dieses Jahres 18 Mitarbeiter weniger eingestellt bzw. gewonnen als ursprünglich geplant. Die Aussage vom 22. März ist somit eiskalt gelogen. Doch damit nicht genug: Am 18. Mai, also einen Tag nach der Veröffentlichung der enttäuschenden Zahlen für das 1. Quartal, hatte Frau Rittinghaus nochmals ausdrücklich an dem Ziel eines ca. 50 %igen Umsatzzuwachses für das Jahr 2000 festgehalten. Warum dies nicht erreicht werden konnte, wurde bereits dargestellt.

Die personellen Engpässe bezeichnete Frau Rittinghaus in einem Conference Call am 2. August als „zeitverzögerte Einstellungen“. In diesem Zusammenhang wurde das eigene Handeln als „konsequentes Kostenmanagement“ dargestellt. Schließlich entstanden ja weniger Personalkosten! Dies hatte wiederum zur Folge, daß man beim negativen EBIT im Rahmen der Erwartungen bleiben konnte. Aha – die Misere ist gar keine Misere, sondern Strategie: Update gewinnt weniger Personal und erreicht deshalb den geplanten Umsatz nicht, doch aufgrund der geringeren Personalkosten muß man keine Gewinnwarnung aussprechen – alles klar? Konsequent weitergedacht könnte man auch alle Mitarbeiter entlassen und das Unternehmen einstampfen. Dann hätte man auch kein negatives EBIT mehr.

Nun sind die gutgläubigen Anleger die Leidtragenden. Die Aktie der Update.com AG hat seit dem IPO am 11. April über die Hälfte ihres Wertes verloren. Dabei wurde eine Marktkapitalisierung von über 120 Mio. Euro (Stand: 11. August) vernichtet! Mit den bisherigen Vorfällen haben die Vorstände das Vertrauen der Aktionäre hoffnungslos verspielt.

Update hat das Vertrauen der Anleger auf übelste Weise verspielt. Doch wer sind die Verantwortlichen? Lügen und Täuschungsversuche sind ausschließlich von Frau Rittinghaus zu erkennen. Doch mag man sich in einer solchen Situation fragen, was eigentlich die anderen Vorstände getan haben. Dies gilt besonders für den CFO Michael Foy, von dem bisher praktisch nichts zu hören war. Ein Neuanfang scheint mit diesem Management kaum vorstellbar. Selbst von Seiten einer der Konsortialbanken wurde gegenüber GoingPublic gesagt: „Die Aktie ist in diesem Jahr tot! Es sollte Veränderungen im Management geben!“ – völlig richtig. GoingPublic fordert das sofortige Update „Vorstand Release 2.0“ ohne den „Bug“ Gabriele Rittinghaus!

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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