Natürlich erinnert sich da heutzutage niemand mehr dran; aber „früher“ war es so, daß die Dividendenrendite von Aktien höher zu sein hatte als die von Renten. Und das aus gutem Grund, schließlich galten Aktien ungleich riskanter als Rentenpapiere. Mit den vehementen Kursgewinnen der Nachkriegszeit haben sich aber – dem Aktionärsland USA als Vorbild sei Dank – die Folgegenerationen von Anlegern durchgesetzt, die an jährliche Kurssteigerungen von durchschnittlich 12 %, 15 % oder auch 18 % (je nachdem, welche semi-manipulierten Statistiken man heranzieht) konditioniert wurden.

Dividenden sind schon noch wichtig, aber offenbar nicht mehr allzu sehr. Unternehmen wie DaimlerChrysler und vor allem die Deutsche Telekom – die einst auszog, sich den Namen „Volksaktie“ auf die überbreite Brust zu schreiben – müssen aufgrund der jüngsten unerfreulichen Entwicklungen ihre Ausschüttungen drastisch zurückfahren. So kürzte Daimler die für dieses Jahr vorgeschlagene Dividende mal eben um fast 60 %, die Deutsche Telekom – en passant mit einem 2000er Verlust von 3,5 Mrd. Euro – um saftige 40 %.

Gerade den Rosa Riesen dürfte das Einsparen dieser ca. 1 Mrd. Euro einen Bärendienst erweisen. Denn viele Fonds und nicht zuletzt viele getreue Kleinanleger hielten die Aktien von Ron Sommer nicht wegen der überragenden Zukunftsperspektiven des deutschen Ex-Monopolisten – auch wenn der charismatische Vorstandsvorsitzende nicht müde wird, genau diesen Beweggrund seinen griesgrämigen Aktionären einzuimpfen. Als der Kurs der zukünftigen Ex-Volksaktie vor einigen Monaten kurz unterhalb des 1996er IPO-Preises von 14,57 Euro abtauchte, ging ein Aufschrei durch die zahlenmäßig reduzierte Fangemeinde. Wer bei der zweiten und dritten Tranche zu Mondpreisen dabei war, hat entweder sowieso schon resigniert oder ist sogar soweit, den Visionen Sommers Glauben zu schenken. Wie auch immer – jetzt wird jedenfalls gerade eines der allerletzten „Halten/Aushalten“-Argumente den Bach runtergespült.

Infineon, Lufthansa oder Epcos müssen die Dividenden leider gleich ganz fallen lassen. Nach der Kursbescherung folgt jetzt also auch noch die zweite Welle in Form von heißer Luft. Bleibt zu hoffen, obgleich auch etwas blauäugig, daß die Dividendenausschüttungen in dem Maße wieder anziehen, wie die 2002er und 2003er Gewinne nach Markt-„Konsens“ vermeintlich wieder nach oben schießen sollen. Die Alternative jedenfalls sieht fürchterlich aus: ein US-Markt-ähnlicher Endzeitzustand mit Dividendenvakuum ad infinitum.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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