Der US-Kongress untersucht aktuell gerade noch, inwieweit beispielsweise JP Morgan Chase oder die Citigroup dem US-Energieunternehmen instrumentelle Hilfe hinsichtlich der umstrittenen Upfront-Zahlungen geboten haben. Das Ausmaß der Verflechtungen zwischen Banken generell und den Unternehmen könnte, wenn wir Glück haben, tatsächlich noch innerhalb eines Lebenszyklusses herauskommen.

Es sei alles legal gewesen – sagen die Banken. Das ist wirklich großartig. Also stellt sich die Frage, für wie viele andere Unternehmen sie derartige Ponzi-Schemata aus der Taufe gehoben haben. Wenn das tatsächlich völlig legal gewesen ist, dürfen wir mit vielen weiteren derartigen Offenbarungen rechnen.

JP Morgan Chase ist der weltweit größte Konstrukteur von derivativen Finanzinstrumenten. Kein Vorwurf – das Bankhaus befriedigt schließlich nur die Nachfrage, die zweifellos vorhanden ist. Bislang hat man noch keine Stellung dazu bezogen, welchen Einfluß Zusammenbrüche wie beispielsweise der von Enron auf das Derivate-Portfolio hat. Dessen Größe hat JPM immer wieder heruntergespielt. Doch was, wenn mehrere der Trading-Partner à la Enron (ich spiel’ dir den Ball zu und du spielst ihn zurück) einbrechen?

Die Citigroup wiederum scheint die Verbindung zwischen der Politik und der Wirtschaft offensichtlich werden zu lassen. Wie die Washington Post bereits vor einem halben Jahr berichtete (was damals aber unterging), soll Robert E. Rubin, seines Zeichens Finanzminister unter Clinton und jetzt im Executive Committee der Citigroup, vor Besiegelung des Enron-Kollapses einen hohen Official der derzeitigen Bush-Administration kontaktiert haben, um sich zu erkundigen, ob das Bush-Team nicht zu Gunsten von Enron intervenieren könne.

Die jüngsten Kurserholungen der US-Banken lassen darauf schließen, daß es wohl gelingen wird, einiges unter Verschluß zu halten, was besser nicht für die leidgeplagte Investorenschaft geeignet ist. Zu viel Wissen kann auch manchmal weh tun.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Print Friendly, PDF & Email