Selten wird dem Anleger der Begriff Kapitalvernichtung so drastisch und plastisch vor Augen geführt. Zur Emission kostete die Aktie 27 Euro, nachdem zuvor eine deutlich höhere Bookbuilding-Spanne angedacht worden und erst nach heftigen Protesten potentieller Anleger verworfen worden war. 27 Euro, gut viereinhalb Jahre lang zu 4 % angelegt, wären heute etwa 32,50 Euro. So gesehen beläuft sich der Verlust auf mehr als 70 %.

Gut, die Börse ist nicht eben ein Hort der Moral, und Aktien des Neuen Marktes waren nie Witwen- und Waisenpapiere. Aber dieses Angebot ist schlicht unsäglich: Ist die Telekom doch die wahre Mogelcom? Wie auch immer, für die Zukunft läßt sich aus dem Vorgang einiges lernen. Zum Beispiel, daß man im Zweifelsfall doch eher keine Aktien vom Staat kaufen sollte.

Die Unternehmen sind im Denken und Handeln einfach zu lange zu sehr noch dem alten Trott verhaftet, und ohne wirklich viel frisches Geld wie bei einer „normalen“ Emission über eine Kapitalerhöhung ist die Ausweitung des Geschäftes schwierig. Oder man steht wie die Telekom mit einem Riesenhaufen Schulden da.

Der Verlust mag den Einzelnen schmerzen, der Schaden für die Akzeptanz der Aktie als Geldanlage ist in der Bundesrepublik beträchtlich: Erst verlieren viele, die mit der zweiten und dritten Tranche der Telekom-„Volksaktie“ zum ersten Mal mit dem Genre in Berührung gekommen waren, bares Geld. Und jetzt der T-Online-Deal obendrauf.

Das sind keine guten Aussichten für das, was da vielleicht kommen mag. Weitere Telekom-Aktien? Weitere Aktien gelb? Bahn? Nein danke. Vor Leuten, die die Anleger so enttäuschen, sollte man sich wohl zurecht in acht nehmen.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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