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Inzwischen scheint es sich eingebürgert zu haben, daß jedes Mal, wenn jemand in finanziellen Trouble gerät, auch jemand da sein muß, der für die Rettung sorgt. So titulierte ein bekanntes US-Journal im Vorfeld der US-Notenbanksitzung Anfang letzter Woche: „Wall Street fordert eine Zinssenkung von der Fed“. Und weiter: „…andernfalls würde sie [die Fed] vom Markt dazu gezwungen werden“. So weit sind wir also schon.

Wer wichtig / groß genug ist, wird auch gerettet (If you’re big enough und make mistakes – then you can’ t fail). LTCM war groß genug. Argentinien war nicht groß genug. Brasilien dagegen war es. So schoß der IWF das bislang größte gesehene Milliardenpaket ein, in erster Linie, um sich selbst und US-Banken zu retten. Aus dem Laisser-faire-Kapitalismus der 90er Jahre (auf dem Weg nach oben) ergeht nun der permanente Schrei nach immerwährender staatlicher Hilfe (auf dem Weg nach unten). Wohl eher als Sozialismus bekannt.

Der Weg auf der Spirale nach unten (nach der wohl größten Asset Bubble der Geschichte) wird damit verlängert und am Auslaufen gehindert. Beim Blick zurück, auf der Suche nach Gründen, sollte einige eigentlich sehr schnell auf die US-Notenbank und ihre an den Tag gelegte Inkompetenz stoßen. Greenspans Fehler war, daß er sich selbst auf die Party begab („New Economy“), anstatt Distanz zu wahren. Das viele Schulterklopfen für die Jahre des (nur scheinbar) endlosen Aufschwungs hat ihm nicht gerade gut getan und ihn die eigentlichen Prioritäten der Fed vergessen lassen, er machte sich selbst zum Gastgeber der Party. Und viele folgten ihm. Daß er dennoch weiterhin hoch im Kurs steht, hängt damit zusammen, daß seine einstigen Gäste von ihm nun ihre Rettung einfordern bzw. die Wiederaufnahme der Party. Der Glaube an seine Fähigkeiten kann offenbar nur mit einer Art Hörigkeit erklärt werden.

Dabei wird gerne übersehen, daß niedrige Zinsen in der Vergangenheit ganze zweimal nicht zu der anvisierten Rettung geführt haben. Das klingt fast wie ein positives Argument. Ist es nicht. Das eine Mal war in Folge der 1929er Blase, als niedrige Zinsen über Jahre hinweg dem Unweigerlichen nicht entgegenwirken konnten, das andere Mal ist die laufende De-Inflation der Japan-Blase, die jetzt schon weit über ein Jahrzehnt andauert. In beiden Fällen mußten Strukturen zerbrochen werden, um danach ganz neu zu beginnen (Fallbeispiel Nummer 2 läuft noch; warum wohl?). Je länger die schlußendliche und sicher schmerzhafte Bereinigung aufgeschoben wird, desto länger wird der Neuanfang auf sich warten lassen. Und der wird ohne den bisherigen Gastgeber stattfinden. Wahrscheinlich auch mit ganz anderen Gästen.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.