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Über die Pensionskassen-Problematik ist in letzter Zeit schon viel debattiert worden. Nicht nur die Unterdeckung amerikanischer Pensionskassen sieht bedrohlich aus, auch bei zahlreichen britischen und deutschen Großunternehmen geht es nicht gerade um die berühmten Peanuts. Als Größenmaßstab sollte man sich folgendes vorstellen: Die derzeitige Unterdeckung der S&P-500-Pensionskassen hat eine ähnliche Dimension wie die Summe der im nächsten Jahr erwarteten Unternehmensgewinne. Flössen also sämtliche Überschüsse aus dem Cash Flow in die Rücklagen, so gingen die US-Unternehmen im nächsten Jahr leer aus, was den Gewinnausweis anbelangt.

Nun kommt es gerade recht, daß die Monate November bis Mai ohnedies statistisch die bei weitem besten eines Jahres sind. So könnte sich das Problem einigermaßen selbst beheben, je nach Grad der Erholung an den Finanzmärkten. Bliebe die ersehnte Aufwärtsmasche in diesem Zyklus aus irgendwelchen Gründen aus – Irak-Krieg, Double Dip, generell poröse operative Unternehmensgewinne – würde die Finanzierungslücke ungemütlich werden.

Was droht, ist ein regelrechter Lochfraß im Aktienkapital bei den Unternehmen. Bei einigen übersteigen die Pensionszusagen, rechtlich verbindlich im übrigen, schon das Eigenkapital – auch bei der Insolvenz von TWA beispielsweise sind derartige Verpflichtungen im Spiel.

Bitter ist, daß sich nun herausstellt, daß weder das deutsche Modell (der Staat sorgt für Dich), noch das amerikanische (sorg’ für Dich selbst) funktionieren. Im ersten Modell ist der Regierung nicht zu trauen, im zweiten der eigenen Psyche. Nur Fehler, die man selbst begangen hat, scheinen an der Börse lehrreich. Die nächste Generation von Anlegern muß ihre Erfahrungen wiederum selbst machen – immer wieder, bis das sogenannte „unartige Kind“ auftaucht – das statistisch seltene Ereignis, mit dem angeblich niemand rechnen konnte. Weder die Aktie an sich ist zu verteufeln, noch ist ein Volk von Aktienbegeisterten wünschenswert. Auf den richtigen Umgang mit der Aktie kommt es nun mal an.

Die Fehler sind immer dieselben, und offenbar begehen nicht nur unbedarfte Kleinanleger sie: In guten Jahren lebt man von der Hand in den Mund und trifft großartige Versprechungen – 9 oder 10 % Rendite pro Jahr. Dabei wird übersehen, daß die Hausse von 1982 bis 2000 nicht der Normalzustand gewesen sein kann. Später dann sind die Depots irgendwann randvoll mit Aktien – auch auf öffentlichen Druck hin, denn die Hausse nährt die Hausse. Wenn dann das unartige Kind auf den Plan tritt, bricht das Gebäude zusammen. Jetzt ist das Gejammer wieder groß, weil sich herausstellt, daß die Börse keine Einbahnstraße war oder ist – also genau das, was schon immer in den Medien gesagt wurde. Leider hat nur nie jemand hingehört. Allein schon, weil es sich bei der letzten Hausse um eine Ausnahmeerscheinung handelte, muß die seit über zwei Jahren laufende Bereinigung heftig ausfallen.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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