Im Bookbuilding-Verfahren wird von den Konsortialbanken an Hand einer Unternehmensbewertung und eines Premarketing eine Preisspanne festgelegt, in der sich der Emissionspreis bewegen wird. Das der so ermittelte Wert nicht immer der Vorstellung des Marktes entspricht, zeigen die hohen Zeichnungsgewinne, die in letzter Zeit Anleger, die eine Zuteilung erhalten hatten, einfahren konnten. Im Jahr 1999 verbuchten laut Deutsche Bank 16 % aller Neuemissionen einen Zeichnungsgewinn von 100 % oder mehr. Beim Autkionsverfahren läuft die Preisfeststellung anders. Die Konsortialbanken legen ein Mindestgebot fest. Danach können Anleger ihre Gebote für die Aktien in einer bestimmten Zeitspanne abgeben. Ein oberes Limit für die Gebote gibt es dabei nicht. Nach Abschluß der Zeichnungsfrist werden die Aktien auf alle Zeichnungsaufträge verteilt. Angefangen wird beim höchsten Gebot, solange bis das Emissionsvolumen „aufgebraucht“ ist. Die Höhe des niedrigsten Gebots, das zum Zug kommt, bestimmt den Emissionspreis.

Was war im Vorfeld nicht alles über dieses neue Preisfeststellungsverfahren geschrieben und geredet worden. Von Abzockerei über eine faire Verteilungsmethode bis hin zum Nachfolger des im konservativen Anleger-Deutschland etablierten Bookbuilduing war das Auktionsverfahren betitelt worden. Aber nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Die Erstnotiz wurde mit 50 Euro festgestellt und lag damit etwa 37 % über dem Emissionspreis. Bei diesem Zeichnungsgewinn kann von Abzocke der Anleger wohl keine Rede sein. Vergleicht man diesen Zeichnungsgewinn mit dem der Aktien, die der Konsortialführer Trigon Wertpapierhandelsbank AG zum Peer-Group-Vergleich herangezogen hat, so schneidet Trius nicht schlecht ab. Die Peer-Group, bestehend aus den Neuen-Markt-Werten BinTec, COR, CPU, Micrologica und NorCom, erzielte einen durschnittlichen Zeichnungsgewinn von 49,3 %. Wobei die Extreme mit CPU bei +123 % und bei Norcom mit –2,6 % lagen.

Nach der Emissionsstudie der Trigon Wertpapierhandelsbank beläuft sich der faire Wert des Unternehmens auf etwa 36 bis 39 Euro. In dieser Spanne lag auch der Emissionspreis. Somit erhält die Trius AG einen dem Unternehmenswert angemessenen Mittelzufluß aus dem Börsengang in Höhe von 36,5 Mio. Euro.

Auf Grund der Kursentwicklung gegenüber dem Emissionspreis und des “fairen“ Mittelzuflußes für das Unternehmen dürften sowohl Anleger als auch Trius selbst zufrieden sein. Das Auktionsverfahren hat also seine Premiere erfolgreich bestanden. Doch ob es zur Ablösung des Bookbuilding-Verfahren kommen wird, bleibt abzuwarten. Dazu müssten auch die großen Emissionsbanken diese Methode anwenden. Das in Zukunft aber öfters Auktionen von Aktien als Preisfindungsmethode bei Neuemissionen verwendet werden, ist sehr wahrscheinlich. Die nächste findet in der Schweiz statt: Allmobile.com wartet auf Gebote für seine Aktien.

Die Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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