Öl und andere wichtige Rohstoffe haben im Preis zuletzt wieder angezogen. Der Euro steigt stetig gegenüber dem Dollar, ohne der Wirtschaft dort wirklich auf die Sprünge zu helfen. Der Absatz von Ford und GM auf dem US-Auto-Markt brach im April weiter spürbar ein – und selbst wenn man um die Probleme dieser beiden Unternehmen weiß, sollte dies doch zum Nachdenken anregen.

Hierzulande wird weder der starke Euro noch das teure Öl derzeit als Problem gesehen. Vorauseilend werden schon mal Wechselkurse von 1,40 US-$ für den Euro oder 90 US-$ für das Fass Öl als nicht problematisch deklariert. Muss ein Ergebnis des kollektiven Höhenrausches sein. Alles nur Psychologie. In der Vergangenheit reichten schon geringere Ausschläge für großes Wehklagen. Gut, nach den immensen Gewinnsteigerungen der vergangenen Geschäftsjahre sind zum Beispiel deutsche Aktien nicht wirklich teuer. Und so wichtig aktuelle KGV-Betrachtungen sind: Was zählt, sind die zukünftigen Überschüsse. Und die sind aus einem weiteren Grund unter Druck, denn die Arbeitnehmer fordern ihren Anteil am Aufschwung ein. Dies ist nachvollziehbar und geschieht völlig zu Recht.

Man könnte nun ein langes Lamento darüber formulieren, dass die Arbeitnehmer mit der jüngsten Lohnzurückhaltung gut gefahren seien und die Fortsetzung dieser Tarifpolitik die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft weiter steigern würde, und, nicht wahr, geht es uns allen nicht ziemlich gut? Die Wirtschaftsweisen sähen das ja schließlich auch so, auf Dauer 2,5 % Lohnzuwachs, und Deutschlands Zukunft wäre so etwas von gülden. Die Realität ist eine andere: So wie ein Investor immer mehr Rendite sehen will, möchte der Arbeitnehmer mehr Lohn. Das ist im Übrigen für die Binnenkonjunktur nicht schlecht, wird die Ergebnisse der Unternehmen aber mindestens insofern belasten, dass zukünftige Gewinnsteigerungen wenigstens geringer ausfallen. Und wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahr.

Wenn man so will, ist die Wirtschaft ein großer, langer Fluss, und stärker steigende Löhne in Boom-Zeiten gehören zu den unabwendbaren Wellenbewegungen. Im Mai sind die entscheidenden Abschlüsse zu erwarten. Das dürfte ein Argument für Sell in May sein. Wenn der Pulverdampf sich gelegt hat, kann die Rallye ja wieder weitergehen.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.