Von Privatanlegern wurde die Emission um das 20fache überzeichnet, von institutionellen Anlegern um das 12fache. Damit wurden für ca. 115 Mrd. Euro Aktien von Europas größtem Online-Dienst gezeichnet. Im vorbörslichen Handel wurden gestern nachmittag zuletzt Kurse von 32,50 zu 34 Euro gestellt. Sicherlich weniger, als die meisten Zeichner erwartet haben.

Im Vergleich zu direkten Wettbewerbern, wie beispielsweise America Online (AOL) ist die T-Online-Aktie jedoch nicht gerade günstig bewertet. Einzig bei der Bewertung pro Kunde kann das ehemalige BTX-Kombinat mit dem US-Wettbewerber mithalten. T-Online ist mit etwa 6.600 Euro pro Kunde bewertet, AOL mit ca. 6.500 US-$. Beim Kurs-Umsatz-Verhältnis zeigt sich jedoch schon ein ganz anderes Bild. Auf Basis der Umsätze des vergangenen Jahres ist T-Online mit dem 83fachen, AOL jedoch lediglich mit dem 29fachen Umsatz bewertet. Auch bei der Berechnung des Umsatzes pro Kunde schneidet AOL wesentlich besser ab als T-Online. AOL setzt pro Kunde 227 US-$ um, T-Online hingegen lediglich 81 Euro! In diesem vereinfachten Beispiel wurde die aktuelle Kundenzahl zum Umsatz des Jahres 1999 ins Verhältnis gesetzt.

Mit Blick auf die vorbörslichen Kurse und die Bewertung der Aktie stellt sich jedoch die Frage, was eine solch hohe Nachfrage rechtfertigt – mal abgesehen von einer riesigen Medienkampagne. Denn wer die Aktie unbedingt haben will, der kann sie mit einem – nur sehr kleinen Aufschlag zum Emissionspreis – bereits bei Schnigge oder Lang & Schwarz kaufen.

Es muß jedoch berücksichtigt werden, daß „Institutionals“ noch bis einschießlich heute zeichnen können, während die Frist für Privatanleger bereits am Mittwoch endete. Besonders vor dem Hintergrund, daß das Zuteilungsverfahren besonders fair und transparent gestaltet werden sollte, macht dies keinen guten Eindruck. Zumal in einer solch turbulenten Börsenphase sicherlich viele Anleger die Entscheidung gerne so lange wie möglich hinausgezögert hätten.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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