Sie loggen sich bei einem virtuellen Reisebüro ein, schauen sich ein paar Hotels an, informieren sich über das Freizeitangebot der jeweiligen Orte und buchen dann eine Woche Urlaub auf einem Bauernhof irgendwo in Tirol. Danach beschäftigen Sie sich wieder mit ihrer Arbeit, doch recht konzentrieren können Sie sich nicht. Denn Sie erhalten eine Werbemail von einem Wanderstock-Hersteller in ihrem elektronischen Briefkasten, der ihnen seine Produkte anpreist. Etwas später kommen unerwünschte eMails eines Bergschuhherstellers sowie eines Fitneßbüros, das sie auf ihren Urlaub körperlich vorbereiten will. Zu guter Letzt werden sie täglich über die aktuelle Wetterlage in Tirol inklusiv der dazu passenden Garderobe informiert.

Zugegeben, das oben angegebene Beispiel ist etwas überspitzt. Aber Internet-Aktivitäten sind oftmals nicht nur sehr nützlich und praktisch, sondern können auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Sobald wir online sind, hinterlassen wir im World Wide Web eine Spur von Daten, die immer mehr Unternehmen für ihre Werbezwecke nutzen.

Nach einer aktuellen Umfrage des Pew Internet & American Life Projects zeigen sich 84 % der US-Internetbenutzer besorgt über den Umgang mit ihren persönlichen Daten während des Surfens im Internet. Gleichzeitig wissen aber die meisten nicht, in welchem Ausmaß ihre Online-Aktivitäten beobachtet werden können, und daß sie sich davor meistens mit einfachen Werkzeugen schützen können. So kennen laut Umfrage nur 56 % der Nutzer Cookies. Dies sind kleine Dateien, die auf unserer Festplatte abgelegt wurden und Informationen an den Server zurücksenden, der sie damals gesetzt hat. Durch Cookies kann von jedem Surfer ein statistisches Profil erstellt werden, welche Seiten er wie lange und wie oft besucht und welche Daten er dort eingegeben oder abgefragt hat. Werden nun noch persönliche Informationen wie Name, Alter oder sogar Einkommen mit diesem statistischen Daten verknüpft, entstehen Persönlichkeitsprofile, mit denen sich gezielte Werbung verschicken läßt.

Aber nicht nur Cookies sammeln fleißig Informationen über uns. Auch in vielen Shareware-Programmen gibt es kleine Spione, die Daten unbemerkt an ihre Herstellerfirma übermitteln. Sogar berühmte Firmen wie Microsoft, RealNetworks oder Netscape haben in diesem Bereich keine weiße Weste. So besitzt z.B. der Netscape Navigator ab Version 4.7. eine Funktion namens “Smart Download“, die automatisch beim Download von Dateien aktiviert wird. Das Programm sendet dann unter anderem den Dateinamen und die Internet-Seite, von der die Datei heruntergeladen wird, an den Netscape-Server. Ist man zudem bei dem zu Netscape gehörenden Portal Netcenter registriert, erhält Netscape auch Namen und eMail-Adresse des Nutzers.

Mit dieser Art des geheimen Datensammelns verspielen sich viele Firmen bei den Anwendern Sympathien. 94 % der amerikanischen Internet-User befürworten Maßnahmen gegen “Schnüffel-Firmen“. Und nach einer Studie von Jupiter Communications droht dem e-Commerce-Geschäft ernsthafter Schaden, sollte das Problem des Datenschutzes nicht zur Zufriedenheit des Verbrauchers gelöst werden. Die e-Commerce-Beratungsfirma warnt, daß sich allein in Europa die Umsätze im Jahr 2003 um 8,3 Mrd. Euro beinahe halbieren könnten.

Allerdings sind an der Datenschutz-Misere nicht nur die Unternehmen schuld. Viele Surfer sind im Umgang mit ihren Daten äußerst blauäugig. Geht es um Online-Shopping, befürchten viele Internet-Nutzer, daß dabei persönliche Daten für Werbezwecke mißbraucht werden. Sobald aber Internetseiten mit Gratisangeboten oder Gewinnspielen locken, werden alle Bedenken vergessen und munter Name, Adresse, Hobbies und andere Daten preisgegeben. Aber was tut man nicht alles für ein schönes Plastik-Feuerzeug oder die Aussicht auf ein Gratis-Wochenende auf dem Bauernhof?

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

 

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