Vorweg gesagt, niemand sollte von der Crew zu viel erwarten, allein schon, um das Enttäuschungspotential gering zu halten.

Zahlreiche Namen waren im Umlauf, sind es noch, andere haben angeblich längst abgewunken. Teilweise glaubte man, es gehe nicht um den Chefposten der Deutschen Telekom, sondern um den Trainerstuhl beim 1. FC Kaiserslautern.

Post-Chef Klaus Zumwinkel wurde gehandelt. Aktionäre sollten hoffen, daß es nicht so kommt. Wenn das schläfrige Image des Gelben Riesen auf den Rosa Riesen übertragen würde, dürfte sich womöglich die Zustellung von Gesprächen extrem verzögern. Andere Gespräche werden gar nicht erst zugestellt und bleiben hängen. Pech auch.

Infineon-Chef Ulrich Schumacher führe mit dem Sportwagen vor – oder hat er inzwischen einen fähigen Imageberater konsultiert? Wenn er die Stelle antreten sollte, hieße das wohl, daß die Deutsche Telekom zukünftig die Services und Gespräche zum halben Selbstkostenpreis anbietet, ganz nach dem bewährten Infineon-Modell. Wunderbar für Kunden, doch ein Horror für Aktionäre.

Michael Frenzel von der TUI ist wohl außen vor. Er wolle lieber in der Touristik-Branche bleiben – denn dort sehe er „große Zukunftschancen“. Im Gegensatz zur Telekom-Branche, möchte man hinzufügen. Im übrigen: Ist nicht gerade die Reise-Branche derzeit stark gebeutelt mit kaum Ausblick auf schnelle Genesung? Es grenzt an einen verbalen Vernichtungsschlag, wenn Frenzel dennoch hier die bessere Perspektive sieht. Hoppla!

Jens Alder von der Schweizer Swisscom wäre vielleicht eine der gefälligsten Lösungen. Indem er sich frühzeitig aus dem UMTS-Geschäft verabschiedete, konnte er große Verluste für sein Unternehmen vermeiden und steht nun weit besser da als seine Kollegen. Bei der Deutschen Telekom herrscht eine völlig andere Unternehmenskultur in diesem Punkt. Das paßt in etwa so gut wie Otto Rehagel zu Bayern München.

Heinrich von Pierer, der scheidende Siemens-Boss, würde wohl als erstes ein neues 10-Punkte-Programm proklamieren. Dessen Umsetzung ließe aber auf sich warten, ganz wie bei Siemens eben. Macht nichts, dann mistet er mal wieder aus und gibt eben ein neues Programm bekannt. Bei Siemens liegen auch noch die Programme aus den 90er in der Warteschleife, die Abfolge war wohl etwas zu zügig für die angestaubten Münchner.

Es gibt eigentlich nur eine Lösung: Ron Sommer muß wieder her. Er ist der einzige, der die Schmerzen, die mit dem Posten in Verbindung stehen, ohne mit der Wimper zu zucken, aushalten kann. Und seien wir mal ehrlich: Kann es schlimmer kommen als bisher? Außerdem hat er betont, daß er erst wieder ruhig schlafen kann, wenn der Kurs der Deutschen Telekom wieder über 70 Euro steht. Also: Lassen wir den Mann seine Vision vollenden…

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