Es ist noch nicht allzulange her, da hatte sich der Kanzler für eine wettbewerbsfähige deutsche Bank stark gemacht. Zu diesem Zweck hatte er der Deutschen Bank die Übernahme der Postbank nahe gelegt. Daß es Gerhard Schröder ernst war, die noch nicht angelaufene Konsolidierung des deutschen Bankensektors anzutreiben, belegt seine bloße Intervention.

Sie durfte mit dem öffentlichen Auge getrost als undurchdachte „Hauruck-Kampagne angesehen werden, schließlich war der Börsengang der Deutschen Post-Tochter im Grunde bereits unter Dach und Fach. Zudem lag der Verdacht nahe, daß die Regierung sich durch den Verkauf einen den Börsenverkaufserlös übersteigenden Ertrag über diese Transaktion sichern wollte. Der Bund hält die Mehrheit an der Post und wäre somit Nutznießer des Verkaufs gewesen. Das Geschäft scheiterte jedoch an den Preisvorstellungen der Deutschen Bank. Die Zeiten, in denen zu jedem Preis expandiert wurde, gehören der Vergangenheit an. Der immense Kosten- und Renditedruck hat die Sinne auf ein ökonomisch-effizientes Maß hin geschärft.

Nun machte die Deutsche Bank mit der Ankündigung einer weiteren nicht unerheblichen Stellenstreichung auf sich aufmerksam und zieht den Zorn sämtlicher Lager auf sich. Was die Situation beweist, ist die Tatsache, daß der globale Markt nicht im geringsten bereit ist, sich für die deutsche Arbeitsmarktproblematik zu sensibilisieren. Auch, wenn die von der Deutschen Bank angestrebte Eigenkapitalrendite im Angesicht zunehmender Massenarbeitslosigkeit grotesk anmutet, so orientiert man sich hierbei lediglich an marktüblichen Maßstäben. Und in kaum einer anderen Branche sind Dienstleistungen und Produkte derart homogen wie auf dem Finanzsektor, was Wettbewerbsvorteile minimiert und den Rationalisierungsdruck maximiert.

Neben dem Nachteil US-amerikanischen Banken gegenüber und deren weitgehend harmonisiertem Binnenmarkt steht der europäische Finanzsektor gerade erst am Anfang eines Zusammenwachsens. Den deutschen Privatbanken bereitet zudem die Struktur der deutschen Bankenlandschaft Probleme. Das überwältigende Gros der Privatkunden ist den öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Kreditinstituten vorenthalten. Dies hat nicht zuletzt viele deutsche Banken dazu getrieben, den Verlockungen des Investmentbankings nachzugeben, woraus in Einklang mit den fulminanten Kurseinbrüchen der heutige Restrukturierungsdruck resultiert.

Wenn nicht einmal auf dem deutschen Binnenmarkt eine politisch unterstützte Verschmelzung der Überkapazitäten beginnt, ist es überflüssig, über einen global starken deutschen Finanzkonzern nachzudenken. Ohne weitere Arbeitsplatzverluste hier zu Lande wird dieser unter aktuellen Gegebenheiten nicht entstehen. Da ab Mitte dieses Jahres auch für die öffentlich-rechtlichen Institute die refinanzierungsfreundliche Gewährträgerhaftung entfällt, müssen auch Sparkassen und Landesbanken bei der Kreditvergabe strikt nach den neuen Baseler Eigenkapitalregeln handeln. Dies entkräftet das ewige Argument, unter einer Vorherrschaft der Privatbanken erhielte der deutsche Mittelstand keine finanziellen Mittel mehr für nötige Investitionen. Der angestrebte europäische Finanzmarkt zwingt jedes Institut zu rein effizienten Entscheidungen.

Die jüngst von Wirtschaftsminister Clement aufgegriffene Diskussion um die Unternehmenssteuer beweist, daß man weiterführenden Handlungsbedarf erkannt hat und sich ein Aussitzen bis zur nächsten Bundestagswahl 2006 verbietet. Die gröbsten Probleme bleiben jedoch nach wie vor die Lohnnebenkosten und somit die Sozialstruktur des Landes. Arbeitsplätze werden erst wieder aus einer landesweiten Umstrukturierung heraus entstehen. Zu guter Letzt hätte auch ein gern gesehenes Zusammengehen von Deutscher Bank und Postbank Arbeitsplätze gekostet. Was man der Deutschen Bank nun übel nimmt, ist jedoch die weitere Loslösung vom Heimatmarkt.

Markus Lenzbauer

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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