Ob Kopfpauschale, Bürgerversicherung oder ein wie auch immer gearteter Kompromiß: Im Innersten gehen die Politiker ja selber nicht davon aus, die Kosten für das Gesundheitswesen dauerhaft zügeln zu können. Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt Kostensteigerungen sogar System-immanent. Letztlich stellt sich die Frage: Wer möchte schon mit Standesvertretern und dem Heer der Lobbyisten auf eine Butterfahrt durch die Ranzigkeit dieses Systems gehen, um zu den Punkten zu gelangen, an denen wirklich wirksame Veränderungen anzubringen wären?

Politik in der Bundesrepublik verschiebt sich immer mehr von der Gestaltung hin zur Schadensbegrenzung, beim Thema Gesundheit kann es keine Zweifel geben, daß die Fähigkeit zur Begrenzung des Schadens ausgesprochen begrenzt ist. Also keine Angst vor Wortungeheuern wie Krankenkassen-Modernisierungsgesetz oder Gesundheitskosten-Dämpfungsgesetz oder was an semantischen Pretiosen der Versichertenschar noch harren mag. Alles nur wohlformuliert und geblufft.

Steigende Kosten, das bedeutet aber auch: Sicher steigende Einnahmen für die Unternehmen, die in der Branche tätig sind. Healthcare bleibt Wachstumsbranche, umso mehr, als in vielen anderen Ländern die Dinge auch nicht anders liegen. Hinzu gesellt sich eine weitere Entwicklung: Privatversicherte sind zunehmend bereit, über ihre ohnehin schon bessere Absicherung zusätzliche Mittel in ihre Gesundheit zu investieren.

Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, den Bereich insgesamt überzugewichten. Darüber hinaus versprechen einzelne Sparten besonderes Wachstum. So hinkt der IT-Bereich im Gesundheitswesen der Entwicklung in anderen Industrie- oder Dienstleistungssektoren stark hinterher. Medizinsoftware, vor allem zur Kostenreduzierung, ist ein ganz großes Thema in der Branche. Auch minimal-invasive OP-Techniken, die Liege- und Rehazeiten minimieren, nehmen weiter stark zu. Hersteller entsprechender Chirurgiegeräte weisen glänzende Aussichten auf. Wem das Stockpicking zu beschwerlich oder risikoreich erscheint, ist bei Fonds oder Aktien wie beispielsweise der Schweizer BB Medtech gut aufgehoben.

Stefan Preuß

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