Die Aktionäre der PONAXIS AG mußten schon in der Vergangenheit über ein robustes Nervenkostüm verfügen. Mit dem Vorstand wechselte die Gesellschaft in jüngster Vergangenheit des öfteren auch Sitz, Name und Geschäftsmodell. Was heute auf den kreativen Namen PONAXIS hört und von Pongs & Zahn-Aufsichtsratschef Joachim Schlennstedt von Hamburg aus gesteuert wird, hieß im letzten Jahr noch European Strategic Portfolio, domizilierte in Frankfurt und war kurz vorher noch in Wiesbaden als Praha Portfolio registriert

Das Geschäftsmodell der zeitweise dem Dunstkreis des Heidelberger Steuerberaters Heiner Diechtierow zuzurechnenden Gesellschaft bestand zunächst im schwunghaften Handel mit osteuropäischen Aktien und Beteiligungen. Später sollte das spärliche Kapital von rund 5 Mio. Euro zum Aufbau einer Venture Capital-Gesellschaft mit Schwerpunkt im Umweltschutz nebst Ein-Mann-M&A-Abteilung eingesetzt werden. Seit dem nicht unumstrittenen Machtwechsel im August 2001 sollte mal eben der Polymerchemie-Produktionsbereich der Pongs&Zahn aus welchem Grund auch immer in den blutleeren, aber weitgehend schuldenfreien Firmenmantel gesteckt werden. Doch auch dieses Vorhaben wurde schnell verworfen. Das letzte, was von PONAXIS zu hören war, waren hektische Liquidierungsversuche von teuer eingekauften Beteiligungen und Gerüchte über großzügige Verfügungen zu Gunsten verwaltungsnaher Personen.

Nun muß auch die 1 %-Beteiligung an der unter chronischem Kapitalmangel leidenden Econ-Air AG schnellstens vom Hof. In der Wirtschaftspresse am 3. Mai war eine „Öffentliche Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes zum Kauf von Aktien der Econ-Air AG“ zu lesen. Letztere führe derzeit eine Kapitalerhöhung zu 4,05 Euro je Aktie durch. PONAXIS biete nun – wie anständig! – „im Sinne einer Verbreiterung der Aktionärsstruktur (…)“ ihren Bestand von 31.500 Aktien „(…) zum Kauf zu einem Vorzugspreis von nur 3 Euro je Aktie an.“ Schade, für 2,99 das Kilo hätten wir sofort gekauft.

Wer macht denn nun wem ein Angebot? Für Informationen zu dieser offensichtlichen Plazierung schwer verkäuflicher Aktien wird auf die Homepage der Econ-Air verwiesen, statt, wie man annehmen könnte, auf einen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hinterlegten Wertpapierverkaufsprospekt. Glücklicherweise folgt der Annonce noch ein Risikohinweis, der allen Ernstes mit folgendem Satz endet: „Für eventuelle finanzielle Schäden, die sich aus einem Kauf der beschriebenen Papiere ergeben, wird von der PONAXIS AG weder eine Haftung noch die wirtschaftliche oder moralische Verantwortung übernommen.“

Wahrscheinlich wären die Aktionäre von PONAXIS heilfroh, wenn sie wüßten, wer die wirtschaftliche und moralische Verantwortung für den Niedergang ihres Unternehmens übernimmt.

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