Goethes Faust und Schillers Glocke auf der einen, die Börse auf der anderen Seite, das sind ja doch zwei Paar Stiefel. Für Poesie und dichterische Kunst bleibt im engen Spread zwischen Bid und Ask eben kein Platz. Und doch – man mag es kaum glauben – haben die Investoren am Neuen Markt einen introvertierten und beim Anleger zuletzt äußerst beliebten Dichter gefunden: Die Poet Holdings Inc.

Das im Bereich Internetsoftware etablierte Unternehmen liefert Programme für den reibungslosen Produkt- und Katalog-Datenaustausch via WorldWideWeb. Auch objektorientierte Datenbanken – sozusagen der fünfhebige Jambus des Internetzeitalters, sprich status quo – können mit den angebotenen Softwareprodukten generiert werden. Insbesondere heterogene Systeme, beispielsweise zwischen Kunde und Lieferant – stellen durch „poetische“ Software kein Hindernis für die Datenkommunikation mehr dar. Alles in allem also ein echtes Internet-Investment, denn der Status .com-Company als einziger Vers des Gedichtes „WWW“ ist heutzutage schließlich schnell erreicht, doch eine entsprechende Basissoftware ist nicht leicht entwickelt. Also nicht nur Dichter, auch noch Denker! Und introvertiert zudem, ad hoc-Weltmeister sind am Neuen Markt nämlich woanders zu suchen. Groschenromane sind ja auch schneller geschrieben…

Wer dem Rat in GoingPublic 1/2000 gefolgt ist, weiß zudem, daß diese „poet“ische Kunst nicht unbedingt brotlos sein muß. Gegenüber dem damaligen Kurs (20 Euro) konnte die Aktie mittlerweile über 150 % zulegen und das in wenigen Wochen. Ja, ja, echte Poesie wird mitunter auch kurz nach dem IPO – Entschuldigung – nach der Veröffentlichung entdeckt und nicht erst nach Jahrhunderten…

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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