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Die ersten drei Monate des laufenden Jahres waren die schlechtesten, die die IPO-Industrie in den USA seit langem zu verkraften hatte. Bis März tat sich gar nichts mehr. Kein IPO weit und breit, nicht einmal ein Anzeichen davon. Diese monatelange Dürre scheint sich nun langsam zu legen. Erste – wenn auch nur kleine – Börsengänge wurden durchgeführt. Ein neuer Run ist damit freilich nicht ausgelöst worden. Immer wieder mußte dem Erfolg mit satten Preisabschlägen, niedrigen Bewertungen und verringerten Emissionsvolumina auf die Sprünge geholfen werden, und trotzdem blieb die Nachfrage zur Handelsaufnahme meist gering. Erst mit einiger Verspätung erkannten viele Investoren den Wert der Unternehmen und verhalfen so einigen Börsenneulingen wie LeapFrog oder Porfolio Recovery Associates in den letzten Monaten zu einer ansehnlichen Performance.

Langsam aber scheint sich dieses Bild zu wandeln. Mit iPayment, einem Anbieter von Kreditkartenzahlungssystemen, schaffte ein Unternehmen Anfang Mai das erste Mal seit langem einen durchwegs gelungenen Start. Der Emissionspreis wurde am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne festgesetzt, trotzdem lag die Erstnotiz noch 20 % höher und der Tagesschlußkurs weitere 31 %. Wegen der hohen Nachfrage wurde sogar das Emissionsvolumen nachträglich noch erhöht.

Ein Erfolg, der Hoffnung macht. Trotzdem blieben Anschlußbörsengänge zuerst aus. Erst jetzt deutet sich neuer Schwung an. FormFactor, ein Anbieter von Testinstrumenten, die in der Chipproduktion eingesetzt werden, steht kurz vor dem Sprung an die Börse. Die Roadshow läuft bereits. Mit dem Börsengang, der auf den 11. Juni datiert ist, sollen rund 55 Mio. US-$ erlöst werden. Auch wenn mit FormFactor kein Großunternehmen an den Start geht, so wird damit doch ein wichtiger Schritt getan. Nach den vielen Rückversicherern und Vertretern anderer klassischer Sektoren, könnte der Trend in den nächsten Wochen und Monaten wieder verstärkt zu IPO-Kandidaten aus dem Technologie- bzw. Halbleiterbereich gehen, der sein letztes IPO Ende 2001 gesehen hat. Sechs weitere Kandidaten haben bislang ihre Börsenabsichten bekanntgegeben, und selbst wenn es bei dem ein oder anderen doch länger bis zum Börsendebüt dauern sollte, so deutet die sich langsam füllende IPO-Pipeline doch auf einen lebhaften Sommer hin.

Und Europa? 17 Börsengänge verzeichnete die Londoner Börse in diesem Jahr. Angesichts des auch hier schlechten Marktumfelds ein respektables Ergebnis. In Deutschland was das letzte IPO das des Schweizer Erotikproduzent Erotic Media im November letzten Jahres. Eine Pipeline existiert, aber es bewegt sich nichts. Den ersten Schritt will bislang keiner tun. Ein Mißerfolg könnte schließlich fatale Konsequenzen für die gesamte Industrie haben.

Diese Defensiv-Strategie ist die sichere Variante, keine Frage. Wer sich nicht bewegt, kann sich auch nicht die Finger verbrennen – gewinnen aber genauso wenig. Zur Pionierrolle gehört nicht nur die Extraportion Risiko, sondern immer auch die Extra-Rendite. Und die kann doch momentan jeder gebrauchen, oder nicht?