Dem Finanzplatz Deutschland muß geholfen werden. Den Aktionären muß geholfen werden, insbesondere den Kleinen, denn gerade bei Übernahmen sind es die Minderheitsaktionäre, die allzu oft in die Röhre gucken, wenn die großen Aktienpakete umgeschichtet werden. Den Mehrheitsaktionären werden dann satte Aufschläge gewährt, während die Kleinaktionäre leer ausgehen und schließlich noch per Squeeze-out quasi enteignet werden.

Das sollte anders werden. Deswegen wurde zum 1. Januar 2002 das neue Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) eingeführt, das folgendes fordert: Ein Investor muß ein sogenanntes Pflichtangebot zum Kauf der Aktien der verbleibenden Aktionäre machen, wenn sein Anteil an dem Unternehmen 30 % erreicht oder übersteigt. Klingt eigentlich ganz gut, könnte man meinen. Schließlich müssen die Minderheitseigner jetzt schon recht bald während des Übernahmeprozesses berücksichtig werden. Aber wie es eben so ist, mit neuen Regeln. Es gibt immer einen, der sie umgehen will. In diesem Fall MobilCom bzw. France Telecom.

Nach Querelen um die weitere Finanzierung des Geschäftes scheint MobilCom-Gründer Schmid die Lust verlassen zu haben. Er steigt aus und will die Anteile, die er und seine Frau besitzen, an das Partnerunternehmen France Telecom (FT) verkaufen. FT dankt für die zukünftige Mehrheit mit einem Aufschlag auf den aktuellen Kurs. 22 Euro pro Aktie wollen sie bezahlen, allerdings nur, und das ist der Knackpunkt, an Familie Schmid, nicht aber an die vielen Kleinaktionäre, denn das käme die hoch verschuldeten Franzosen viel zu teuer. Nicht etwa die paar lumpigen zusätzlichen Aktien, sondern wegen der erforderlichen Vollkonsolidierung der MobilCom-Verbindlichkeiten.

Mit einer geschickten Konstruktion des Deals soll nun die Verpflichtung des neuen WpÜG umgangen werden. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) prüft nun, untersucht und heißt das ganze Vorhaben nicht gut, das allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Ansonsten herrscht erst einmal Funkstille. Keine Meldung für die Kleinaktionäre. Das BAWe schweigt und schürt damit von Tag zu Tag die Angst, daß all die großartigen Neuerungen des WpÜG das Papier nicht Wert waren.

Der geschundene Finanzplatz Deutschland hat einen Ruf zu verlieren. Um Gesicht und Glaubwürdigkeit nicht von vornherein einzubüßen, kann es nur eine Lösung geben. 22 Euro, entweder für alle oder keinen. Das muß möglich sein.

Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Print Friendly, PDF & Email

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.