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Gleich mal vorweg: Die Unternehmen in Deutschland haben in ihrer Gesamtheit in den vergangenen Jahren prächtig verdient. An diesem Erfolg sind die Beschäftigten jetzt spürbar zu beteiligen, nicht zuletzt auch in Erwartung eines wirtschaftlich guten Jahres 2007. Aber muss es in Form einer deutlichen Erhöhung des Tariflohns sein? Der Vorschlag einiger Wissenschaftler wie etwa des Wirtschaftsweisen Bert Rürup, die Reihe moderater Abschlüsse fortzusetzen und stattdessen wirklich ansehnliche Einmalzahlungen zu leisten, verdient eine nähere Betrachtung.

Das Anliegen der Gewerkschaften, die Einkommen der Werktätigen in einem dauerhaften Prozess wachsen zu lassen und mit fortlaufenden Tarifabschlüssen gewissermaßen eine Nachhaltigkeit und auch Planbarkeit der Einkommen zu erreichen, ist nachvollziehbar. Der Erfolg der Strategie freilich lässt zu wünschen übrig. Die Statistiken sind eindeutig: In den vergangenen zehn Jahren wuchs das Realeinkommen praktisch nicht, und der Anteil der Löhne und Gehälter an den Gesamt-Einkünften in der Bundesrepublik ist kontinuierlich gesunken. Was in den Boomjahren der Republik funktionierte, erweist sich in der jüngeren Vergangenheit als schlechtes Geschäft für die Arbeitnehmer. Ein guter Zeitpunkt, um umzudenken.

Nichts scheuen Manager so sehr wie Festkosten, weil sie den Handlungsspielraum in der Unternehmensführung einschränken. Ein hoher Tarifabschluss, womöglich sogar mit einer Vier vor dem Komma, würde den festen Kostenblock erheblich ausweiten. Die Idee, dass sich die Beschäftigten sagen wir zwei Prozent Lohnerhöhung für die Zukunft in Form einer Einmalzahlung abkaufen lassen, entwickelt da einigen Charme. Naturgemäß würde es unterschiedliche Auffassungen über den Gegen-Wert des Verzichts geben. Auf der einen Seite fehlen die 2 % zukünftig jedes Jahr, inklusive des geringeren Zinseszins-Effektes. Dem steht gegenüber, dass die Summe zukünftiger Löhne und Gehälter natürlich abdiskontiert werden muss, erfolgt die Zahlung in Form eines Einmalbetrages. Über wie viele Jahre man die Rechnung anstellt, darüber lässt sich trefflich streiten, aber gegen harte Verhandlungen und Aufrechnereien ist ja nichts einzuwenden.

Eigentlich müssten die Arbeitgeber weit mehr als die Gewerkschaften an einheitlichen Flächentarifverträgen und dem jährlichen Feilschen um Zehntelpunkte interessiert sein, denn die statistische Betrachtung der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass sie damit vergleichsweise gut gefahren sind. Die Aussicht, Fixkosten zu begrenzen bzw. deren Anstieg zu verlangsamen, könnte dennoch die Basis für einen neuen Ansatz sein. Gewerkschaften sollten sich von dem starren „wir fordern so und so viel Prozent“ lösen und flexibler werden. Das würde den Beschäftigten nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes stärken.

Stefan Preuß