Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff Life-Science? Die Wissenschaften des Lebens – eine Kombination alter Erfahrungen und neuer Erkenntnisse aus so verschiedenen Gebieten  wie Chemie, Physik, Ingenieurwesen, Mikrobiologie, Pharmazie bis hin zur Bio- und Gentechnologie – verfolgen das Ziel, unser Leben angenehmer zu gestalten. Geschehen kann dies durch die Erforschung neuer Therapien gegen Krankheiten wie Krebs oder durch die Weiterentwicklung altbekannter Nahrungsmittelarten hin zu längerer Haltbarkeit oder höherem Vitamingehalt.

Am Neuen Markt tummeln sich mittlerweile 12 Life-Science-Unternehmen auf dem Kurszettel. Dabei handelt es sich in jeder Hinsicht um eine sehr inhomogene Gruppe. Von der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech bis hin zum Anbieter von Systemen zur Aufspaltung und Reinigung von Nukleinsäuren (Qiagen) reichen die Tätigkeitsschwerpunkte. Kursgewinne von über 400 % seit der Emission wie bei MWG Biotech finden sich ebenso wie Verluste von rund 45 % bei BB Medtech. Die Höhe der Marktkapitalisierung schwankt zwischen 59 Mio. Euro bei aap Implantate und 3,2 Mrd. Euro bei Qiagen. Aber auch bei der Bewertung der Aktien ergeben sich deutliche Unterschiede. So wird für die Anteilscheine der aap Implantate das 2,5-fache des für 2001 erwarteten Umsatz bezahlt, während das Kurs-Umsatz-Verhältnis von Sanochemia bei stolzen 15 liegt.

Allerdings wäre es unzureichend, nur anhand dieser Kennziffer ein Unternehmen als teuer oder billig einzustufen, denn natürlich bieten sich je nach Tätigkeitsgebiet unterschiedliche Wachstumsmöglichkeiten, die bei einer sinnvollen Bewertung berücksichtigt werden müssen. Diese Wachstumspotentiale können jedoch nur ausgeschöpft werden, wenn das Unternehmen über genügend Know-How in Form von hochkarätigen Wissenschaftlern verfügt, die in der Lage sind, verwertbare Forschungsergebnisse zu erzielen.

Ebenso wichtig wie die naturwissenschaftliche Kompetenz ist kaufmännisches Verständnis. Versäumt es ein Unternehmer, auf die sichere Finanzierung der Forschungsprojekte zu achten, wird dies früher oder später zu einer existenzbedrohenden Situation führen. Je näher ein Life-Science-Unternehmen marktfähigen Produkten kommt, desto stärker rücken betriebswirtschaftliche Aspekte in den Blickpunkt unternehmerischer Tätigkeit. Denn ist erst einmal ein Wirkstoff oder ein medizinisches Gerät entwickelt und der Markteintritt abzusehen, so daß die Zulassung durch nationale Gesundheitsbehörden beantragt werden kann, stellen sich völlig neue Probleme. Vertriebskanäle müssen geschaffen und Marketingkonzepte entwickelt werden. Eine elegante Möglichkeit besteht darin, frühzeitig umfangreiche Kooperationen mit großen Medizintechnik- oder Pharmakonzernen zu schließen, die bereits über ein ausgereiftes Vertriebsnetz verfügen.

Die obigen Ausführungen gelten im Grunde genommen für jedes Unternehmen des Neuen Marktes, aber für Life-Science-Gesellschaften sind sie von besonderer Brisanz. Insbesondere im Pharmasektor ist der Zeitraum zwischen Forschungsbeginn und erfolgreicher Markteinführung des Produkts außergewöhnlich lang. Es gibt eine Vielzahl von Stolpersteinen, die ein Unternehmen dieser Branche zu Fall bringen können: schlecht verlaufende klinische Studien, langwierige Zulassungsverfahren oder bessere Parallelentwicklungen der Konkurrenz. Was liegt also näher, als sein Anlagerisiko durch Investition einen Korb ausgewählter Aktien zu senken. In den Life-Sciences muß immer – gerade bei jungen Unternehmen – mit einem Totalausfall gerechnet werden. Aber der Erfolg der Branche steht sicher außer Zweifel.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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