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Am 18. Februar 2003 fällte das Landgericht München eine vielbeachtetes Urteil: Jawohl, eine bestimmte Äußerung von Rolf E. Breuer während eines Fernsehinterviews am 3. Februar 2002 hat die Bonität der Kirch-Gruppe ruiniert, deren Insolvenz ausgelöst und Leo Kirch selbst einen kapitalen Schaden zugefügt. Dieser Schaden ist durch den Schädiger zu ersetzen. Der Streitwert wurde auf stattliche 100 Mio. Euro festgelegt (man hörte die Anwälte leise frohlocken), der zu ersetzende Schaden soll jedoch deutlich über 1 Mrd. Euro hinausgehen, wie Kirch Anwalt, Wolf-Rüdiger Bub verlauten ließ.

Selbstredend wird die Deutsche Bank in Berufung gehen, da deren Anwalt Peter Heckel das Urteil als „in mehrfacher Hinsicht rechtsfehlerhaft“ ansieht. Man darf gespannt bleiben, wie der EuGH als voraussichtlich letzte Instanz in schätzungsweise fünf bis sieben Jahren urteilen wird. Doch abgesehen von der Frage, in welcher Höhe nun Geld von der Deutschen Bank an Leo Kirch bzw. seine Gläubiger fließt, dürfte sich die Aktion angesichts der Öffentlichkeitswirkung für kein Kreditinstitut zur Nachahmung empfehlen.

Wie viele Bankenvertreter vom Vorstandssprecher der Großen Drei bis zum Filialleiter der Sparkasse um die Ecke lassen sich monatsdurchschnittlich zu bonitätsschädigenden Äußerungen hinreißen? Jenseits der Fernsehkameras versteht sich, was die Beweisbarkeit ungemein erschwert. Das Bankgeheimnis endet spätestens dort, wo der Korpsgeist der Bankiers beginnt. Wie sonst erfahren die kreditgebenden Bankenkollegen, wie es um ihre nicht-gerateten Mittelstandskunden bestellt ist, wenn nicht im vertraulichen Gespräch über „Radio Golf Club“? Bisher konnte man sich sicher sein, daß man Dankbarkeit und Hochachtung der Kollegen erntet, plötzlich muß man auch ärgerliche Kreditkunden mit Schadenersatzansprüchen auf der Rechnung haben.

Bei genauerem Hindenken kommt auch der Kläger nicht sehr schmeichelhaft weg: Wäre denn alles gutgegangen, wenn Herr Breuer diese voraussichtlich kostspieligen Worte über die Kreditwürde der Kirch-Gruppe nie verloren hätte? Wären der Medienmarkt und die Preise für Filmlizenzen dann stabil geblieben? Die Preise für Werbeminuten auch? Hätte die deutsche Industrie größere Budgets gehabt und mehr Werbung gebucht?

Man könnte fast auf die Idee kommen, Kirch wolle sich für den Zusammenbruch seines Imperiums elegant exkulpieren und nebenbei seine Altersversorgung von der Deutschen Bank sichern lassen.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.