„Gott beschütze uns vor Sturm und Wind und Autos, die aus England sind“. Viele Rover-Fahrer ertrugen ihr automobiles Schicksal nur mit typisch britischem Humor, der in Aufklebern am Heck seinen Ausdruck fand. Jetzt also die Insolvenz, trotz vieler BMW-Milliarden. Auch wenn die Mehrzahl der Probleme der britischen Schrauber hausgemacht war, ist ein gewisser Trend für die meisten Unternehmen in der Branche zu gegenwärtigen.

General Motors vermeldete für das erste Quartal einen Verlust von 1,48 US-$ pro Aktie, und auch die anderen Hersteller kämpfen mit den Folgen der Rabattschlachten; Fiat steckt in einer tiefen Krise;  Volkswagen warnte die Investoren bereits vor geringeren Erlösen;  Mitsubishi mußte das Kapital erhöhen, und selbst eine Marke wie Mercedes-Benz ist meilenweit vom Ertragspotential vergangener Jahre entfernt.

Was zeigt nun das Schicksal von Rover? Erstens, daß das Lohnniveau bei weitem nicht die Rolle spielt, die die Unternehmen gerne vorgeben. Bei hiesigen Tarifverhandlungen wurde schon mal gerne darauf hingewiesen, daß auf der Insel die Entlohnung 20 % und mehr unter Bundesdurchschnitt liegt. Nur mit hoch motivierten Ingenieuren und Schraubern an den Montagebändern lassen sich aber begehrte Produkte entwickeln und bauen. Arbeitswissenschaftler haben früh darauf hingewiesen, daß die Qualitätsmängel bei Mercedes-Fahrzeugen daher rühren, daß die Mercedes-Werker mit dem vorvergangenen Tarifabschluß sehr unzufrieden waren und sich übervorteilt fühlten.

Die derzeitige Situation zeigt etwas weiteres: Mit Brot-und-Butter-Autos läßt sich derzeit kein Geld mehr machen, weil die Konkurrenz zu groß ist und die erheblich gestiegenen Rohstoffkosten nicht weitergegeben werden können. Viel mehr gilt: Nie war das Alleinstellungsmerkmal so wertvoll wie heute. Ob die Rußfilter beim PSA-Konzern, die Freude am Fahren bei BMW oder die pure Leidenschaft bei Porsche – es muß deutlich mehr geboten werden, als an jeder der vier Ecken ein Rad, die alle den Boden berühren.

Bei den derzeit schwächelnden Kandidaten ist derzeit keine Wende zum Besseren abzusehen. Eher droht sich das Kostendilemma zu verschärfen. Weder die fernöstlichen Autobauer noch eine im Langzeitvergleich sehr schwache DaimlerChrysler-Aktie sind daher ein Kauf. Die wenigen aktuell erfolgreichen Autobauer wie Porsche oder BMW sind kursmäßig bereits gut gelaufen, so daß die Risiken für Rücksetzer erheblich zugenommen haben. Klares Fazit daher: Der gesamte Bereich, auch im Zuliefersektor, ist kritisch zu betrachten.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.