Anleger sind einfach nicht mehr bereit, jeden Preis zu zahlen. Zudem haben die Diskussion um Cash Burn Rates bzw. Liquiditätsprobleme bei börsennotierten Internet-Unternehmen erheblich zur Verunsicherung von Anlegern beigetragen. Darüber hinaus ist das Erreichen der Gewinnzone oftmals noch zu weit entfernt.

„Vernünftige High-Tech-Investoren“ haben daraus rasch die Konsequenzen gezogen und die Aktienkurse der Biotech-Unternehmen nach oben betrieben. Eine vernünftige Strategie – jedenfalls für die, die frühzeitig dabei waren. Alle anderen warten geduldig ab, bis auch bei den Biotechs die gleiche Diskussion beginnt.

Doch zurück zu den Internet-Werten, die für viele Anleger doch „greifbarer“ sind, da inzwischen viele mit dem neuen Medium vertraut sind. Neben Umsätzen, Gewinnen und verschiedensten Bewertungsmodellen ist auch Kundenzahl zu einem wichtigen Bewertungskriterium geworden.

Dies hat jedoch zu gefährlichen Auswüchsen geführt. Zahlreiche Internet-Unternehmen – besonders Firmen aus dem B2C-Bereich, also jene, die ihre Dienstleistungen an Privatanwender richten – nutzen die Werbung beim Börsengang auch zur Kundengewinnung. Mit sogenannten Affinity-Programmen wird „Kunden“ eine bevorrechtigte Aktienzuteilung in Aussicht gestellt. In Hypephase war dies durchaus beliebt. Konnten die Unternehmen doch damit nicht nur die Anzahl der Kunden sowie Umsatz- und Gewinnprognosen nach oben schrauben sondern auch die Börsenbewertung. Eine auf den ersten Blick geniale Idee war geboren: Mit Werbung für den Börsengang konnte die Börsenbewertung angehoben werden.

Das ganze hat jedoch einen kleinen Schönheits- bzw. Denkfehler. Das Zaubermittel Affinity-Programm wird in erster Linie zur Gewinnung von Privatkunden eingesetzt. Doch die oftmals nicht mit sachlichen Argumenten, sondern vielmehr mit dem Hintergedanken einer Aktienzuteilung gewonnenen „Kunden“ haben folglich auch keinen sachlichen Grund, die „Geschäftsbeziehung“ aufrecht zu halten.

Neben den börsennotierten deutschen Direktbanken haben auch Portale bzw. Provider wie auch ein Anbieter von Finanzinformationen solche Programme geboten. Gerade dann, wenn ein Internet-Nutzer nichts anderes tun muß, als sich auf der Homepage registrieren zu lassen oder einfach eine kostenlose, webbasierte eMail-Adresse einzurichten, stellt sich zu Recht die Frage der Nachhaltigkeit der Geschäftsbeziehung. Wenn ganze Familien eMail-Adressen beantragen, Aktien bekommen und sofort wieder verkaufen, die eMail-Adressen aber nicht aktiv nutzen, wurde der Zweck des Programms sicher verfehlt. Aber auch bei Direktbanken, wo zumindest ein Konto eröffnet werden mußte, stellt sich die Frage, ob damit nicht Affinity-Hopper angelockt werden, die eine Zuteilung nach der anderen mitnehmen und die Konten anschließend auflösen.

Das ist im Einzelfall sicher ganz lukrativ. Doch die künstlich hoch getriebenen Börsenbewertungen könnten schon bald zum Bumerang werden.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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