Prof. Dr. Wolfgang Blättchen

Als Verlag in dieser Zeit zu bestehen, ist alles andere als einfach. Insbesondere, wenn man sich, wie das GoingPublic Magazin, auf Kapitalmarktthemen spezialisiert hat. Im Allgemeinen stehen die Printmedien vor der Herausforderung, sich in der rasant fortschreitenden Digitalisierung der Informationsmedien zu stellen. Der Anspruch der Internetnutzer geht so weit, neueste Nachrichten schnell, mit hohem redaktionellen Niveau, exklusiv in einem sozialen Netzwerk und dazu noch kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen. Doch dieser Anspruch kann für bisher etablierte Anbieter zur tödlichen Falle werden, denn gedruckte Nachrichten werden in dieser Welt zum Auslaufmodell, wenn es um Aktualität und Schnelligkeit geht. An dieser Stelle sind neue Geschäftsmodelle gefragt, denen es gelingt, dieser tödlichen Spirale zu entkommen. Es gibt Beispiele für Verlage, die die Transformation ihres klassischen Printgeschäfts in die digitale Medienwelt erfolgreich geschafft haben bzw. dabei sind, diese zu vollziehen. Aber es gibt auch zahlreiche Beispiele, wo es nicht funktioniert hat. Dieser Herausforderung muss sich auch das GoingPublic Magazin stellen. Ein umfangreiches Online-Angebot und ePrint-Ausgaben sind der Anfang. Doch dieser Transformationsprozess muss weiter eführt werden.

Die zweite Hausforderung ist das redaktionelle Themengebiet „Kapitalmarkt“ selbst. Die letzten 15 Jahre waren geprägt von neu entstehenden und untergehenden Märkten, strukturellen Umbrüchen und Regulierungseifer. Der Kapitalmarkt vor 15 Jahren war ein anderer als heute. Das beste Beispiel für diesen Wandel kann am Begriff „Going Public“ aufgezeigt werden, den der Verlag sich als Namen gegeben hat. Bei Gründung des Magazins war das „Going Public“ unverwechselbar mit dem öffentlichen Angebot von Aktien und der anschließenden Börsennotiz, dem „IPO“, verbunden. Über 500 IPOs in den Jahren zwischen 1997 und 2001 machten das „Going Public“ zum allgemeinen Sprachgebrauch und das GP-Magazin entwickelte sich zur Pflichtlektüre für jeden Interessierten. In der Kapitalmarktkrise 2002–2004, in der nur noch 13 IPOs stattfanden, verlor der Begriff „Going Public“ den praktischen Gegenstand. Jedoch wurden aus der Krise heraus neue Techniken des Kapitalmarktzugangs über das „IPO light“ oder das „Cold IPO“ erfunden, die auch für ein Going Public stehen. Ab 2005 fanden bis 2008 über 470 „IPOs light“ statt und stellten das klassische IPO mit 147 Transaktionen in den Schatten. Auch hier war das Magazin wieder führend, das diese neuen Themen ausführlich redaktionell aufgriff. Die im Jahr 2008 sich verschärfende Finanz- und anschließende Eurokrise führte leider wieder dazu, dass Börseneinführungen von neuen Aktien auch über die neuen Techniken wieder zu einem seltenen Phänomen in Deutschland wurden. Im Jahr 2010 fiel als Konsequenz der Krise der Startschuss für die Eröffnung der ersten Börsensegmente für die Mittelstandsanleihen. Dadurch erlangte das „Going Public“ wieder eine begriffliche Erweiterung, indem es auch für die Anleiheemission mittelständischer Unternehmen Anwendung fand. Außerdem wurde der Begriff des IBOs (Initial Bond Offering) eingeführt. Seitdem konnten über 70 Emittenten durch das IBO ihr Going Public vollziehen und stellen das klassische IPO (39 Neuzugängen) in den Schatten. Das GoingPublic Magazin griff auch dieses Thema auf und gründete hierfür einen eigenen Newsletter („BondGuide“).

Wir können sicher sein, dass auch in der Zukunft Umbrüche am Kapitalmarkt stattfinden werden, die zu Anpassungsprozessen führen. Wir gratulieren der Redaktion zu ihrem 15-jährigen Bestehen und wünschen ihr weiterhin das notwendige Gespür, schnell und innovativ auf diese Entwicklungen und andere Veränderungen erfolgreich zu reagieren!

Diese Kolumne ist erschienen im GoingPublic Magazin 1/2013.