Wer kennt sie nicht, die Reportagen über märchenhaft reiche Männer aus dem Morgenland, die einander durch die Karätigkeit ihrer automobilen Pretiosen in den turnhallengroßen Garagen zu übertreffen trachten? Gespickt mit Begriffen wie „Wüstensöhne“ mit ihrer traditionellen Kopfbedeckung, dem Igal, wurde über den großspurigen Verzehr von Petrodollars berichtet. Heute stellt sich die gut ausgebildete arabische Elite nicht mehr die Immobilie mit Sportwagen voll, sondern kauft gleich die ganze Fabrik.

Der Fall Aston Martin ist volumenmäßig keine besonders erwähnenswerte Transaktion, aber sehr symbolträchtig. Man stelle sich die Diskussionen hierzulande vor, würde Porsche in arabischen Besitz übergehen. Bei EADS interessieren sich arabische Investoren für einen zehnprozentigen Anteil, und auch sonst begegnen einem in den Wirtschaftsnachrichten immer häufiger Gesellschaften aus dem arabischen Wirtschaftraum.

Man wird sich daran gewöhnen. Bislang traten ganz überwiegend US-amerikanische, europäische oder japanische Unternehmen als Akquisiteure auf. Nun kommen neue Player hinzu. Ob Mittal Steel die luxemburgische Arcelor schluckt, oder die mexikanische Cemex reihenweise europäische Zementwerke und Baustofflieferanten – oder eben arabische Investoren Aston Martin: Globalisierung hat viele Facetten.

Man darf spekulieren, und dies im wahrsten Sinne des Wortes, welche Ziele sich die Investoren aus den neuen, potenten Regionen aussuchen werden. Angesichts der immensen Geld-Zuflüsse vor allem in den nahem Osten stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung. Bislang lag der Fokus auf Beteiligungen, nun, das Selbstbewusstsein steigt, scheinen Übernahmen stärker in den Vordergrund zu rücken. Versorger könnten sexy sein, vielleicht auch die eine oder andere Luxusaktie. An Liquidität jedenfalls wird es nicht mangeln, und deshalb dürfte die Gerüchteküche immer stärker ins Brodeln kommen. Schöne Gelegenheiten für die eine oder andere Übernahmespekulation.

Stefan Preuß

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