Deutsche Anleger stopfen nach wie vor lieber ihren Sparstrumpf, als in Unternehmensanteile zu investieren. Die Zahl der direkten Aktionäre ist hierzulande sogar rückläufig. Und das nicht nur im Vergleich zum Jahr des großen Krachs – 2001 – sondern auch in den letzten drei Jahren, in denen der Dax eigentlich gut vorgelegt hat. Der erdrutschartige Einbruch hat die damals zaghaft aufblühende Aktienkultur jäh unter sich begraben. Vielen Privatanlegern steckt dieser Schock nachhaltig in den Knochen und lässt sie von Aktien Abstand halten. Ohnehin konnten die Deutschen mit diesen Wertpapieren nie besonders viel anfangen, manch einem galten sie sogar als kapitalistisches Teufelszeug.

Bisher war wenigsten die Besteuerung von Kursgewinnen ein Argument, in Aktien zu investieren: Wer seine Aktien länger als ein Jahr behielt, durfte die Gewinne steuerfrei behalten. Die neue Abgeltungssteuer, die die Große Koalition am Freitag nach erstaunlich harmonischen Verhandlungen beschlossen hat, macht damit Schluss. Jeder Euro an Kursgewinnen wird ab dem 1. Januar 2009 mit 25 % plus Soli besteuert. Wie gesagt: Das ist auf ersten Blick absolut fair und international gängige Praxis. Alle Investoren, ob Privatanleger oder Spekulanten werden nun gleich behandelt. Alle Anlageformen vom Sparbuch bis zur Aktie, werden nun besteuert – wenn auch nicht genau gleich hoch.

Und dennoch: Für Kleinanleger, die an einem langfristigen Vermögensaufbau und nicht an Spekulation interessiert sind, wirkt die Reform wie eine kräftige Steuererhöhung. Ihr Spielraum ist in der Vergangenheit ohnehin empfindlich eingeschränkt worden. Zum Beispiel beim Sparerfreibetrag: Er wurde seit 1998 – die sozialdemokratischen Regierungsjahre machen sich eben doch bemerkbar – von 3000 auf 800 Euro zusammengekürzt. Genau deswegen passt die Abgeltungssteuer mit der Predigt von der privaten Altersvorsorge nicht zusammen. Der Staat darf nicht einerseits mehr Eigenleistung einfordern, weil er für eine sichere Rente schon lange nicht mehr garantieren kann, und anderseits die Renditen der Kapitalanlagen weiter beschneiden.

Um fürs Alter vorzusorgen kommen freilich nicht nur Aktien als Anlageform in Frage. Aber sie sind ein wichtiger Pfeiler für eine tragfähige private Vorsorge. Im Land der Sparstrümpfe muss sich deswegen eine echte Aktienkultur entwickeln. Zugegeben: dabei kommt es nicht nur auf den Besteuerungsmodus an. Aber anstatt zu erklären, warum es sinnvoll ist, bei der Vorsorge für später auch auf die Entwicklung der (deutschen) Unternehmen zu setzen, hatte die Politik jahrelang nur staatliche Umverteilung zu bieten – und bedient sich nun auch noch bei den Aktiengewinnen.

Peter Mair