Der Neue Markt ist schon lange zu Grabe getragen und mit ihm viele, viele dot.com-Aktien und damit viele, viele Anleger-Millionen. Endemann!, Openshop, Brokat, Concept, internetmediahouse, Gigabell und wie sie alle hießen: Pleite, aufgekauft, fusioniert – der Schicksale mannigfaltige Wendungen gab es zu sehen.

Doch wie in einem Asterix-Comic lautet die Frage: Der ganze Internet-Kurszettel eine einzige Abgesangsliste? Nein, nicht der ganze Zettel. Einige wenige Unternehmen haben überlebt. Wie das in einem Verdrängungswettbewerb so ist: Diese Anbieter haben teilweise eine ertragreiche Zukunft vor sich. Denn wenn das Internet auch nicht vollumfänglich alle Umwälzungen bewirkt hat, wie in der Euphorie vorausgesagt, gibt es nun doch einen namhaften Markt für Provider, Agenturen und Service-Anbieter.

So hat United Internet, einst als 1&1 gestartet, die Gewinnschwelle nachhaltig überschritten. Der Vorstand avisiert eine Dividende von 20 Eurocent pro Aktie. Das ergibt aktuell zwar nur eine Dividendenrendite von einem Prozent, aber immerhin. Von den vielen Mail-Anbietern hat sich web.de als erfolgreiches Unternehmen durchgesetzt. Nach und nach gelingt es, dem großen Kundenstamm kostenpflichtige Mehrwertdienste wie Spamfilter, Speicherplatz und verschiedene Komfortfunktionen zu verkaufen. Auch dieses Unternehmen schreibt mittlerweile schwarze Zahlen. Die auf medizinische Themen spezialisierte Antwerpes sowie der Ticketverkäufer Eventim (jetzt mit dem Verkauf der Fußball-WM-Karten bekannt geworden), bei dem allerdings das Gros der Einnahmen noch aus dem herkömmlichen Geschäft stammt, zählen ebenfalls zum Kreis der Überlebenden mit Zukunft.

Noch immer sind diese Aktien nicht wirklich billig und von daher keine Schnäppchen, aber einen Platz auf der Watchlist haben sie sich verdient: Die Geschäfte im und mit dem Internet werden weiter wachsen, und diese Unternehmen profitieren davon. Waren die Markteintrittsbarrieren vor fünf Jahren praktisch nicht vorhanden, jeder mit einem punkt.de im Namen bekam doch Wagniskapital ohne Ende, hat sich die Situation dramatisch verändert: Neue Konkurrenz ist nicht zu erwarten. Klar: Viele Anleger haben sich gerade mit Internet-Aktien ordentlich die Finger verbrannt. Sie machen seither einen großen Bogen um vieles, was mit diesem Genre zu tun hat. Doch der Ausleseprozeß ist nahezu vorbei, inzwischen schlägt die Stunde der Stockpicker.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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