Die Lizenzen berechtigen ein Unternehmen, ein neues Multimedia-Mobilfunknetz nach dem Weltstandard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) aufzubauen. UMTS überträgt die Daten paketweise, ähnlich der Übertragung im Internet. Damit werden Features wie Surfen im Internet und das Versenden von Audio- und Videodaten mit der 200fachen Übertragungsgeschwindigkeit heutiger Handys möglich sein. Selbst ein PC mit ISDN-Anschluß ist gegenüber den technischen Möglichkeiten des neuen Mobilfunkstandards, der ab dem Jahre 2002 stufenweise eingeführt werden soll, fünf- bis zehnmal langsamer.

Unter den Bewerbern befinden sich erwartungsgemäß die vier bisherigen Mobilfunknetzbetreiber T-Mobil (Deutsche Telekom), D2-Mannesmann (Vodafone), E-Plus (KPN/Bell South) und Interkom (Viag/British Telecom). Dazu stoßen die bisherigen Serviceprovider Debitel (Swisscom), Mobilcom (mit France Télécom als strategischem Partner) und Talkline (Tele Danmark/SBC). Daneben haben sich noch einige andere Interessenten gemeldet, u.a. der französische Mischkonzern Vivendi und ein Konsortium aus der spanischen Telefónica, der finnischen Sonera und der britischen Orange, so daß momentan zwölf Teilnehmer für die Auktion im Juli bereitstehen. Die Bieter versprechen sich durch den Erwerb einer der vier bis sechs Lizenzen eine enorme Ausweitung ihres Umsatzpotentials im Bereich Multimedia sowie eine ideale Ausgangsposition im Kampf um Marktanteile auf dem größten europäischen Mobilfunkmarkt. Der Kampf um eine der Lizenzen wird daher auch zur Überlebensfrage im knallharten Verdrängungswettbewerb werden.

Das Mindestgebot liegt bei 1,45 Mrd. Euro, wobei angesichts des guten Ergebnisses der Auktion in Großbritannien mit deutlich höheren Geboten gerechnet wird. Dort wird die Lizenz-Versteigerung einen Erlös von 22,5 Mrd. GBP oder umgerechnet 75 Mrd. DM in die Staatskasse spülen. In Deutschland, dessen Mobilfunkmarkt von der Größe und der Kaufkraft den britischen um gut ein Drittel überbietet, wird daher mit Geboten von insgesamt über 100 Mrd. DM gerechnet. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat bereits angekündigt, bis zu 24 Mrd. DM für eine Lizenz zu zahlen. Hans Eichel als der Nutznießer darf sich bereits jetzt über ein beachtliches Zubrot zu seinem Haushalt freuen: Er beabsichtigt, mit den Erlösen aus der Auktion die Schulden des Bundes zurückzuführen. Letztlich kommt der unerwartete Geldsegen somit auch dem Steuerzahler zugute.

Für die Mobilfunkunternehmen und ihre strategischen Partner fallen jedoch neben den Lizenzgebühren noch Investitionskosten für die Einrichtung der Netzinfrastruktur von weiteren ca. 30 Mrd. DM an. Bei geschätzten 50 Mio. Mobilfunkkunden für das Jahr 2002 in Deutschland ergeben sich somit Anfangskosten von ca. 2.600 DM pro Nutzer, wobei es noch keine zuverlässigen Prognosen gibt, mit wie vielen Kunden die Anbieter beim voraussichtlichen Start der neuen Netze von Beginn an rechnen können. Experten gehen in diesem Zusammenhang nicht von einer Verdrängung der derzeitigen GSM-Netze durch UMTS binnen weniger Jahre aus. Nur langfristig wird mit einer teilweisen Substitution gerechnet. Die immensen Anfangsinvestitionen werden daher auf Jahre die Bilanzen der jeweiligen Unternehmen belasten und sich vor allem auf die Ertragskraft auswirken.

Nach dem Motto „Des einen Freud, des anderen Leid“ dürften daher vor allem die Aktionäre der Telekommunikations- und Mobilfunkanbieter zunächst das Nachsehen haben, zumindest solange noch nicht feststeht, wie hoch das Marktpotential durch den neuen Mobilfunkstandard letztlich ist bzw. ob die Investitionen in Form von höheren Grundgebühren als bei GSM auf die Endkunden abgewälzt werden können. In diesem Kontext ist daher auch der für den Sommer geplante Börsengang der Telekom-Tochter T-Mobil mit einer gewissen Skepsis zu sehen.

Die GoingPublic-Kolumne erscheint börsentäglich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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