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Bei den von der Wirtschaft geforderten Arbeitsmarktreformen werden gerne die Gegebenheiten in den USA als Vorbild genannt: Weniger Regulierung, weniger Vorschriften, mehr Beschäftigung lautet eine behauptete Kausalkette. Die Reformen sind nun auf dem Weg, und das bedeutet für viele, auch gut qualifizierte Arbeitnehmer, daß sie einige Beschwernisse zu gegenwärtigen haben. Das mag man gut finden oder auch nicht. Ziel der Vorschriften der einzelnen Hartz-Stufen ist es, die Menschen wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Doch haben sie bei der jetzigen Mentalität der Arbeitgeber dazu eine Chance? Lebenslauf-technisch gesehen gibt es aktuell so viele Desaster wie wohl noch nie. Jedenfalls nach der bisherigen Lesart. Sich aus der Arbeitslosigkeit heraus zu bewerben, gehört zu den am wenigsten Erfolg versprechenden Unternehmungen, die man derzeit im Land starten kann. Hier ist dringend das Umdenken in den Personalabteilungen gefordert – nach US-Vorbild, bitte schön. Eine Entlassung und eine Zeit der Arbeitslosigkeit sind heutzutage kein Makel – das kann mittlerweile den Besten passieren. Um so mehr, als es in Sozialplänen deutscher Prägung eben nicht nach Qualität und Leistung geht, sondern andere, soziale Parameter bei der Auswahl der zu Entlassenden angelegt werden.

Der Standort Deutschland kann es sich nicht leisten, das, was Personaler gerne Humankapital nennen, großflächig zu verschrotten. Folgt man den Einlassungen zahlreicher Arbeitgebervertreter, kann man das nicht oft genug wiederholen. Da werden immer neue Forderungen, bisweilen Unverschämtheiten aufgestellt, es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Hinterbänkler die Wiedereinführung der Kinderarbeit andenkt. Ein positives Wort zur Perspektive derer, die es aktuell erwischt hat, wäre da angebrachter – und würde den Montagsdemonstrationen nicht weiteren Zulauf bescheren.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.